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Black Project

Black Project

Rodenstein/Medienvertrieb Heinzelmann ROD 59
(55 Min., 1/2016)

Was ist alt? Was ist neu? Die frühen Jazz-Rock-Einspielungen auf Tony Williams Lifetime und das Mahavishnu Orchestra von 1969 und 1971 klangen ähnlich rau und übersteuert wie der erste Titel „Black Widdow“ des „Black Project“ von 2016. Danach wehen melancholische Trompetentöne durch den Raum – eine Reminiszenz an Miles Davis, wobei allerdings der Hintergrund von „Black Flag“ reduzierter wirkt als auf Miles´ großen Trancealben: Die Band hat sich ganz offensichtlich von den Traditionsbezügen emanzipiert und schließt mit „Coal Minor“ die Tür. Sie greift die Atmosphäre der Worksongs auf, sie tänzelt im Westernwalzer auf „Black Mountain Fireside“ und begibt sich mit Marching-Band- und Zappa-Anklängen zum „Downhill Racing“. Der „Little Bird“ schwebt in bedächtigen Meditationsklängen, in denen der Trompeter Johannes Stange erneut Miles-Melancholie anklingen lässt. „Black and White“ wandert von einer Soul-Bass-Figur in Country-Jazz-Gefilde, und „La Revolte“ knüpft an Blues- und Acidrock der späten 1960er an. Das „Blind Date“ bestreiten die Musiker mit funky Jazzrock, und zum „Wonderful Life“ finden sie in sphärischen Gitarrensounds. So vielfältig die prägenden Elemente der zehn Titel auch sein mögen, schaffen es die beiden Gitarristen Jörg Reichert und Jo Ambros, Johannes Stange an Trompete und Ventilposaune, Konrad Hinsken an Fender-E-Piano, Matthias Debus an Kontra- und Elektrobass und der Schlagzeuger Christian Huber, sie zu einem charakteristischen Klangbild aus dunklen Volumina, dezenten Noise-Elementen und viel Spaß an ungewöhnlichen und unerwarteten Wendungen zu vereinen. Die Soundpracht, die Kontraste zwischen schleppenden Beats und agilen Soli und permanente Wechsel von Klangstrukturen und Rhythmen machen klar: Das fast einstündige Werk entstammt trotz der historischen Bezüge der Gegenwart.

Werner Stiefele, 07.01.2017



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