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La diversité

Nicolas Kummert u.a.

Edition Records/Membran EDN1083
(54 Min., 10/2016)

Wo Lionel Loueke mitwirkt, kommen afrikanische Rhythmen ins Spiel. An die knappen Töne des Daumenklaviers Kalimba erinnert, wie er die Gitarrensaiten anreißt, Flageoletts antupft, kürzelhafte Melodien hinwirft oder an die Hochphase der Minimal Music erinnernde Loops zupft. Dies macht ihn zu einem wirkungsvollen Gegenpol zum Tenorsaxofonisten Nicolas Kummert, des Kontrabassisten Nicolas Thys und des Schlagzeugers Karl Jannuska. Indem er sich über deren ohnehin schon unruhige, rockende Rhythmen und Melodien mit knappen Klangtupfern erhebt oder sich auch auf längere gemeinsame Themenarbeit einlässt, entsteht eine ungewöhnlich intensive, spannungsgeladene Atmosphäre. Zwischen die Quartettnummern gestreute Duette von Kummert und Loueke setzen bei dieser faszinierenden Begegnung aus britischer Jazzrock-Tradition und afrikanischer Musik weitere Akzente. Dem entspricht, dass Kummert das Album als Loblied auf die Vielfalt betrachtet – und nicht als Ausdruck von Rein- und Klarheit. Vielfalt – so Kummert – ist die schwierigste Herausforderung der Gegenwart. Als Gattung habe die Menschheit keine andere Chance, als die Vielfalt zu feiern, während die Reinheit in eine Sackgasse führe. Die vierzehn Stücke deuten an, dass er diese Überlegungen in Musik übersetzen kann, denn sie zeugen von enormer Fantasie und Offenheit, gepaart mit Formbewusstsein, intensiver Kommunikation und dem Kontrast von knappen, ausdrucksstarken Melodien mit einer fast perkussiven Melodieauffassung. Die faszinierende, ungewöhnliche Scheibe bietet auch nach mehrfachem Hören mehr Überraschungen als Vertrautes.

Werner Stiefele, 04.03.2017



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