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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Wolfgang Amadeus Mozart

Sonaten KV 330, 331, 332

Andreas Staier

harmonia mundi HMC 901856
(61 Min., 3/2004) 1 CD

Wenn der Text heilig ist, dann ist diese CD ein Sakrileg. Die drei bekannten und beliebten Sonaten KV 330 bis 332 (darunter die in A-Dur mit dem "Alla turca") hat Andreas Staier nicht einfach mal so aufgenommen, sondern sich etwas Besonderes, geradezu eine Provokation einfallen lassen. Dass verwendete Hammerklavier ist längst nichts Ungewöhnliches mehr, wohl aber der Umgang mit Verzierungen und - ja, so weit geht Staier - mit dem Notentext. Es geht nicht nur um die Frage nach Trillern, Vorhalten, Prallern oder Mordenten, hier werden auch Akkorde anders gebrochen, kleine Varianten eingefügt, die beispielsweise einen größeren Tonumfang ausspielen.
Ist es der Druck hin zu "Neuem", der Staier zu diesem Wagnis veranlasst? Er selbst nimmt im Booklet Stellung: Mozart selbst habe gegen die "willkürliche Ornamentierung seiner Musik protestiert". Na also. Aber was ist willkürlich? Im 18. Jahrhundert war die Ausgestaltung des Notentextes durch den Interpreten gang und gäbe. Es kam also auf das Maß und den Geschmack an. Ohne Staiers intelligente und interessante Ausführungen hier in Gänze referieren zu können, wird vor allem unser heutiges Verständnis des (Noten-)Textes als klassisch und unverrückbar hinterfragt. (Überdies lehrt ja auch die moderne Kommunikationswissenschaft, dass es ebenso viele Texte wie Rezipienten gibt.)
Am selbstkritischsten ist Staier dort, wo es um die Aufnahme seiner Variante geht: "Der Reiz aller Verzierung liegt gerade darin, dass es jedes Mal auch anders sein könnte. Fixiert man nun eine Ornamentationsidee auf CD, wird sie allein dadurch schon ad absurdum geführt. Dem Hörer wird zugemutet, sich dieselbe Version wieder und wieder anzuhören. Aber ist das ein Argument für Enthaltsamkeit?"
Dass Staier ein sensibler und fein differenzierender Interpret ist, muss hier kaum noch gesagt werden. Dem Hörer wird es durch die allgemeine Bekanntheit der Sonaten immer wieder ein "Nanu? - Ach? - Hoppla!" entlocken, wenn das Spiel ins Unbekannte, Ungewohnte läuft. Wir - und das weiß auch Staier - wissen nicht wirklich, wie man zu Mozarts Zeiten gespielt hat. Insofern ist diese CD als Diskussionsbeitrag zur historischen Aufführungspraxis wie zum allgemeinen Umgang mit Notentexten interessant und wichtig. Es ist vielleicht nur die Sehnsucht nach Unverrückbarem, die alles mit einem Grundgefühl der Skepsis betrachten lässt und am Ende wieder nach dem "Urtext" ruft.

Matthias Reisner, 30.04.2005



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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