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The Behemoth

Phronesis

Edition Records/Membran Media EDN1085
(65 Min., 9/2016)

Auf seinen eigenen Platten präsentiert das Trio Phronesis einen filigranen Patchwork-Jazz, indem sie aus melodischen und rhythmischen Flecken größere Einheiten bilden, deren Einzelteile sie kunstvoll miteinander verknüpfen, in dichten Lagen ballen oder nur mit wenigen Stichen aneinander heften. Offen wirkt dieses Konzept, zumal es viele Möglichkeiten für spontane Einfälle und Variationen des Materials bietet.
Wie nun sollen diese Stücke von einer Bigband interpretiert werden? Ist ein befriedigender Transfer überhaupt möglich? Ja. Dabei verändert sich allerdings der Charakter der Stücke. Julian Argüelles setzt die Bläsersätze sehr scharf und prägnant, arbeitet mit Volumen und Farben, wo zuvor die Spannung aus Kargheit und Intensität dominierte. Zehn Stücke hat er für die Big Band des Hessischen Rundfunks arrangiert, und jedes für sich nutzt die Möglichkeiten des großen Klangkörpers aus. Andererseits geht dabei die intensive Kommunikation des Trios verloren.
Das Trio Phronesis, also der Pianist Jasper Høiby, der Kontrabassist Ivo Neame und der Schlagzeuger Anton Eger, ordnet sich als Rhythmusgruppe diesem Konzept unter. Sie stellen ihre Patchwork-Technik und ihr Faible für reaktionsschnelle Veränderungen der Gesamtstimmung hintan, um dem kompakten Sound zu dienen. Den allerdings haben die Tontechniker der Sendeanstalt nicht als feingliedrige Summe von Einzelstimmen aufgezeichnet, sondern als dichte, kompakte Klangwolke, in der Argüelles differenzierte Stimmführung eher zu ahnen als spontan nachzuvollziehen ist.

Werner Stiefele, 01.04.2017



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