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Wolfgang Amadeus Mozart

Werke für Violine, Klavier und Orchester

Daniel Hope, Sebastian Knauer, Camerata Salzburg, Roger Norrington

Warner Classics 2564 61944-2
(70 Min., 5/2004) 1 CD

Wien, den 12. November 1778. Wolfgang Amadé Mozart, Bürger von Wien, schreibt, in gewohnter orthographischer Freiheitsmanier, an seinen Vater Leopold in Salzburg. "Mann richtet hier auch eine accademie des amateurs auf, wie in Paris - wo H: fränzel das violin Dirigirt - und da schreibe ich just an einen concert für Clavier und violin." So der Genius, etwas voreilig-vollmundig, wie es scheinen mag. Denn zwar schrieb Mozart an dem brieflich erwähnten Opus, indes vollenden mochte er es nicht - aber nicht, weil er es nicht konnte, sondern ganz einfach deswegen, weil die Mannheimer Hofkapelle - eigentlich vorgesehene Interpretin - aufgelöst wurde. Pech für die Musiker, Pech auch für die Nachwelt? Philip Wilby war, nach Durchsicht der Dinge, dieser Ansicht. Und also komplettierte er das von Mozarts Biograf Alfred Einstein als "gewaltiger Torso" bezeichnete Fragment des Doppelkonzerts unter freimütiger Zuhilfenahme der Konzertsonate für Violine und Klavier in D-Dur, Köchelverzeichnis 306 (ebenso von anno 1778) und überzeugte einige Musiker, das selbige Opus auf Platte zu bannen.
Das Ergebnis, nun, wie soll man es sagen, es ist kaum dazu angetan, in Begeisterungsstürme auszubrechen. Es genügt eben nicht, einen namhaften und der Sache Mozart mit allem Ernste und Feuer zugetanen Dirigenten (Roger Norrington), einen tollen Berg- und Britten- und Schnittke- und Ravel-Geiger (Daniel Hope) sowie einen sich für Mozarts Werk interessierenden Pianisten (Sebastian Knauer) mit einem exzellenten Orchester (Camerata Salzburg) zusammenzubringen, damit die Angelegenheit zum Ruhm des Schöpfers und seiner Interpreten gelingen möge. Denn eben das tut sie nicht: nämlich vollends, zum Glücke des Hörers gelingen. Ist die Einleitung des Orchesters im Kopfsatz, einem Allegro, noch mit spitzfindigem Esprit musiziert, so muss man sein geneigtes Haupt doch bereits beim ersten Einsatz der Solo-Instrumente ein wenig schütteln. Gediegene Phrasierung und Artikulation, melodische Linien, die irgendwohin laufen, überspielte harmonische Bonmots - und bei alledem nichts von dem, was ein - auch durch die kühnen Taten seitens der Hardliner der authentischen Aufführungspraxis untermauertes - modernes Mozartbild kreieren konnte. Der Pianist murmelt da irgendwie irgendetwas vor sich hin, und der Geiger krächzt dazu, als wolle er alle Schönheiten aus Mozarts Kunst verbannen. Ein gemeinsames Wollen beider ist nicht erkennbar, und schon gar nicht ist es das, wenn man das Orchester dazu nimmt. Wer nun glaubt, ohne Orchester würde es besser, der hoffte vergebens. Die G-Dur-Sonate KV 379 setzt den Eindruck fort. Mozart gleichsam gewaschmittelt, meint: verwaschen. Oder auch: macht müde, dieser Mozart. Hat der Mann nicht verdient.

Tom Persich, 22.10.2005



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