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Johann Sebastian Bach

Bach Trios (Kammermusik)

Yo-Yo Ma, Chris Thile, Edgar Meyer

Nonesuch/Warner 7559793920
(61 Min., 3/2016)

Wahrscheinlich waren Yo-Yo Ma, Chris Thile und Edgar Meyer gerade mal wieder gemeinsam unterwegs, als ihnen die Idee für dieses CD-Projekt kam. Denn in neue Bach-Dimensionen wollten sie bestimmt nicht mit diesem kammermusikalischen Potpourri vorstoßen, sondern ihr Teamplayer-Können einfach mal auch auf heiligem Klassik-Terrain erproben. Nachdem Cellist Yo-Yo Ma sich mit seinen Kumpels Chris Thile (Mandoline) und Edgar Meyer (Kontrabass) vor allem in Weltmusik-Gefilden getummelt hat, zeigte er ihnen also mit Bach seinen musikalischen Stammvater. Und um eine repräsentative Bandbreite des Bachschen Kosmos zu erkunden, spannte man per Arrangement den Bogen von der Kontrapunktik (Sätze aus der „Kunst der Fuge“ und dem „Wohltemperierten Klavier“) über berühmte Choralvorspiele wie „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“ bis hin zu immerhin komplett aufgenommenen Trio- bzw. Gambensonaten BWV 530 bzw. BWV 1029.
Nun haben solche vergleichbaren Bach-Treffen schon immer mehr vom kommunikativen Charakter als von einer neuen musikalischen Sinnsuche gelebt. Und die drei Musiker waren bestimmt in bester Spiellaune ins Studio gegangen, um bei aller Ernsthaftigkeit auch auf einen leichten Bach-Session-Charakter zu achten. Von der Papierform her mögen zwar Cello, die Mandoline etwa als Cembalo-Ersatz sowie der „Basso continuo“-Kontrabass gut zusammenpassen. Aber selten hat man nicht nur ein derart harm- und kammermusikkörperloses Miteinander geboten bekommen. Auf Dauer nervt das Mandolinen-Pling-Pling einfach. Kein Wunder, dass das einzige Stück, in dem Chris Thile mal zur Gitarre greift, zugleich auch das halbwegs Wertvollste des gesamten Albums ist. Es ist das ergreifende „Erbarm dich mein, o Herre Gott“.

Reinhard Lemelle, 27.05.2017



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