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Small Town

Bill Frisell, Thomas Morgan

ECM/Universal 5746341
(68 Min., 3/2016)

Thomas Morgan und er selbst seien sich in einem gleich, stellt Bill Frisell fest: Sie seien beide ruhige Persönlichkeiten. Ihr Duoalbum, benannt nach Frisells Nummer „Small Town“, bezeugt diese Einschätzung mit jedem Ton, und es lässt noch mehr erkennen: Der Kontrabassist Morgan und der Gitarrist Frisell verstehen sich blindlings. Der im März 2016 entstandene Konzertmitschnitt aus dem New Yorker Jazzclub „Village Vanguard“ vereint zwei Musiker, die mit ihren Instrumenten so homogen kommunizieren, dass sich aus den Melodien und Akkorden des einen nahtlos Antworten und Ergänzungen des anderen ergeben: ein Traum von gelungener Zusammenarbeit.
Zögernd tasten sie sich mit einer elfminütigen, auf ihren Kern konzentrierten Version von Paul Motians „It Should Have Happened A Long Time Ago“ ins Zwiegespräch. Langsam kristallisiert sich das Thema heraus, gewinnt Gestalt, schwebt, weht wie ein lose an zwei Fäden befestigtes Seidentuch im Wind. Als ahne er das Spiel Frisells voraus, setzt Morgan seine Basstöne, bis sich das Tuch löst und am Horizont verschwindet.
Mit dem Lee-Konitz-Klassiker „Subconscious Lee“ und Frisells „Song For Andres No. 1“ bleibt das Duo im Bereich des zeitgenössischen Jazz. Mit „Wildwood Flower“, einem Song aus dem Repertoire der Carter Family, sowie Frisells eigenem „Small Town“ bricht die Vorliebe des Gitarristen für Country Songs durch. Danach erweisen die zwei dem Rock’n’Roll-Pianisten Fats Domino mit einer weiträumigen Version von dessen „What A Party“ die Referenz. Das zwölfminütige „Poet – Pearl“ greift die zögernde Haltung des ersten Titels auf, sodass das finale „Goldfinger“ wie eine Zugabe wirkt. Vor allem aber unterstreicht der Titel eins: Nicht nur James-Bond-Thriller können die Spannung hoch halten, sondern auch die nur vordergründig ruhige und gelassene Art, wie die beiden ihre zehn Saiten mit zwanzig Goldfingern zum Klingen bringen.

Werner Stiefele, 03.06.2017



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