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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Großer Orchestererzieher: Christoph Eschenbach (c) Luca Piva

Pasticcio

Ein Menschenfreund

Ab sofort steht Christoph Eschenbach in einer Reihe mit Mauricio Kagel, Anne-Sophie Mutter, Nikolaus Harnoncourt und Leonard Bernstein. Denn sie alle gehören zu den bisherigen Preisträgern einer der international renommiertesten und mit 250.000 Euro mehr als ordentlich dotierten Auszeichnung. Und so wird der Dirigent, Pianist, Kammermusiker und Talentförderer Eschenbach am 31. Mai in München den Ernst-von-Siemens-Musikpreis entgegen nehmen dürfen und sich von einem noch nicht genannten Laudator bauchpinseln lassen. Ihre Entscheidung hat die Jury mit den Worten begründet, dass Eschenbach „ein hochvitaler Dirigent und beeindruckender Orchestererzieher“ sei, „dessen Größe in einer Art natürlicher Autorität liegt, die Machtgesten und alles Übertriebene, allzu Plakative scheut“. Tatsächlich scheint dem vor 75 Jahren in Breslau geborenen Eschenbach jede diktatorische Attitüde fremd. Vielmehr ist er ein (fordernder) Teamplayer und Kommunikator.
Die hohe Kunst, den Musikern selbst mit bisweilen nur ganz wenigen Worten das herauszukitzeln, was ihm vorschwebt, hat er immerhin von zwei gegensätzlichen Pult-Koryphäen gelernt. Es waren Herbert von Karajan in Berlin und George Szell in Cleveland. Von letzterem lernte er, auf die Phrasierung und Transparenz zu achten. Karajan lenkte seine Aufmerksamkeit auf Klangfarben, Nuancen und atmosphärische Übergänge. „Szell war der Zeichner, Karajan der Maler“, so Eschenbach.
Heute ist Christoph Eschenbach, der schon früh Lang Lang unter seinen Fittiche genommen hat, ein weltweit umtriebiger Dirigent mit Washington als aktueller künstlerischer Heimat. Seit 2010 leitet er das ansässige National Symphony Orchestra Washington. Wobei durchaus immer wieder Stimmen zu hören sind, die das künstlerische Niveau des Orchesters nicht unbedingt preisen. Und selbst bei Eschenbachs Mozartopern-Dirigaten bei den Salzburger Festspielen winkt inzwischen die Kritik nur noch ab. Wenn es aber andererseits um den Orchesterpädagogen geht, da ist Eschenbach dann doch wohl das Preisgeld wert.

Guido Fischer



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