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N° 1355
27.04. - 04.05.2024

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am 04.05.2024



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(c) Iko Freese

Klo-Petra klärt auf: Straus´ „Die Perlen der Cleopatra“

Berlin, Komische Oper

Auf die Regiekünste des Barrie Kosky sind wir in dieser Rubrik einigermaßen abonniert. Kosky hat stets erklärt, die Komische Oper werde das einzige Haus bleiben, das er jemals leiten will. Außerdem hört man, dass er den laufenden Vertrag über 2022 hinaus angeblich nicht verlängern will. Also feiern wir seine Feste, solange sie fallen. Oder anders: „Wenn dich dein Liebster sitzen lässt/halt ihn bei seinen Litzen fest“.
Der Reim stammt aus den „Perlen der Cleopatra“, einer Operette von Oscar Straus. Mit seinen Schunkel-, Schrammel- und Jodel-Einlagen hat das Werk eigentlich wenig Berlin-Bezug. Bei den Perlen selbst handelt es sich um universal einsetzbare Liebes- und Lustkugeln – fast so obszön wie die ‚Klunker des Marc Anton’. Dagmar Manzel als liebestolle Ägypterin darf nichtsdestotrotz berlinern, dass die Schwarte kracht. Sie lacht über ihre eigenen Witze am lautesten und kalauert sich als „Klo-Petra“ den Abend lang einen Wolf. Kompliment! Sie ist diesmal – weniger grimassierend als sonst – so saugut, dass von ihrer besten Operettenrolle überhaupt gesprochen werden darf. Vollgültig assistiert von einem zähnebleckenden Dominique Horwitz, einem wohlproportionierten Dominik Köninger sowie Horror-Verführer Peter Renz als römischem Feldherr.
Die hauchdünne Handlung (das Werk war 1924 ein Vehikel für Fritzi Massary) wird an der Komischen Oper durch ein Mehr an Ausstattungs- und Tanzwut wettgemacht. Choreograf Otto Pichler achtet penibel darauf, dass die Männerbusen des Balletts zu jedem Zeitpunkt gut sichtbar bleiben. Durch Victoria Behrs hinreißend quallenförmigen, muppetfarbigen Kostüme ist es Barrie Koskys opulenteste, unpolitischste und konventionellste, aber zugleich rundeste Operettenorgie geworden. Adam Benzwi dirigiert knackig. Ein phosphoreszierend op-artiger, popartiger Unterhaltungs- Selbstzweck. Erinnert ästhetisch an eine radioaktiv gewordene Dalli-Dalli-Dekoration. Mehr ist ernsthaft nicht zu verlangen.

Robert Fraunholzer, 11.02.2017, RONDO Ausgabe 1 / 2017



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