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N° 1291
04. - 10.02.2023

nächste Aktualisierung
am 11.02.2023



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Vier Hände für die Neue Musik: Aloys (l.) und Alfons Kontarsky (c) DG 1979

Pasticcio

Da wussten die linken Hände genau, was die rechten tun...

Er kannte sich im scheinbar undurchdringbaren Notengetümmel der zeitgenössischen Klaviermusik fast wie selbstverständlich aus. Zugleich gab sich Aloys Kontarsky zusammen mit seinem Bruder Alfons gerne auch dem Rhythmus etwa in den „Ungarischen Tänzen“ von Brahms hin. Oder man spielte vierhändig Mozart, um danach wieder neueste, hochkomplexe, aber auch amüsante Werke aus der Taufe zu heben. Wer ab den späten 1950er Jahren etwas für Klavierduo komponieren wollte, der wusste: Bei den Kontarskys bist Du richtig, die könnens! Im Laufe der nächsten Jahrzehnte, bis 1983, sollte somit eine stattliche Zahl von Werken entstehen, die eng mit dem Namen dieser beiden Wunderbrüder verbunden waren. Karlheinz Stockhausen und Mauricio Kagel, Bernd Alois Zimmermann und Wolfgang Fortner – sie alle haben diesem Duo all das anvertraut, bei dem damals andere Duos kopfschüttelnd abgewunken hätten. Und im Fall des älteren Bruders Aloys kam es zudem noch zu solistischen Gipfeltreffen mit den hochrangigen Neue Musik-Titanen. Von Stockhausen hat er etwa schon in den 1960er Jahren sämtlichen Klavierstücke aufgenommen. Außerdem arbeitete der begeisterte Kammermusiker mit Gidon Kremer und Siegfried Palm zusammen. Wer scheinbar so mühelos gerade die Musik des 20. Jahrhunderts hinlegen konnte, der wurde dementsprechend rasch von den Spezialistenzirkeln entdeckt. Die aus Iserlohn stammenden Kontarskys machten nach ihrem Gewinn des Münchner ARD-Wettbewerbs 1955 überall dort Karriere, wo sich die Avantgarde ein Stelldichein gab. Ob bei den Donaueschinger Musiktagen oder auch als Dozenten bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt. Darüber hinaus ging man viel und weltweit auf Tournee. Und selbst ein Traditionslabel wie die Deutsche Grammophon holte die Kontarskys regelmäßig ins Aufnahmestudio. Doch das Jahr 1983 sollte das Ende eines Klavierduos bedeuten, an dessen Klasse und Neugier nur noch das GrauSchumacher Piano Duo heranreichen sollte. Der schwer erkrankte Aloys Kontarsky musste sich für immer aus dem Konzertsaal verabschieden und sich fortan auf die Lehrtätigkeit an der Kölner Musikhochschule konzentrieren. Nun ist er im Alter von 86 Jahren gestorben. Und „mit Aloys Kontarsky verlieren wir einen herausragenden Musiker und eine bedeutende Persönlichkeit des internationalen Musiklebens“, so der Präsident des Deutschen Musikrates, Prof. Martin Maria Krüger, in einer ersten Stellungnahme. „Er war eine außergewöhnliche, von tiefer Humanität geprägte Künstlerpersönlichkeit und verlieh dem Musikleben besonders im Bereich der Neuen Musik entscheidende Impulse.“ Davon zeugen nicht nur Schallplatten und CDs, sondern auch Kontarskys Schüler, zu denen u.a. Steffen Schleiermacher gehörte.

Guido Fischer



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