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Charles Gounod

Erleuchtung in Rom

Nicht populär genug? Nun ruft die Stiftung Palazzetto Bru Zane anlässlich seines 200. Geburtstages 2018 zum Gounod-Jahr auf.

Das angenehm in der Hand liegende Buch ist diesmal kräftig-lila, was reizvoll kontrastiert mit dem Sattorange des Vorsatzpapiers. Sie mögen es bunt und deutlich bei der französischen, im venezianischen Palazzetto Zane beheimateten Stiftung der reichen Madame Bru – einer Stiftung zugunsten der lange vernachlässigten Musik der Grande Nation im 19. Jahrhundert. Zwischen 146 liebevoll aufbereiteten Bookletseiten und auf den zwei im Umschlag platzierten CDs findet sich alles Wissens- und Hörenswerte zur sechsten Folge über den berühmt-berüchtigten Prix de Rome, den die Academie française zwischen 1666 und 1968 ausgelobt hatte und der ab 1803 – als man in die Villa Medici umgezogen war – neben Architekten, Bildhauern und Malern auch für Komponisten und Kupferstecher ausgelobt wurde.
Diese aktuelle Prix-de-Rome Ausgabe nun ist Charles Gounod gewidmet. Dreimal hatte er sich ab 1837, das erste Mal als 19-Jähriger, den Regularien entsprechend mit einer etwa 20-minütigen Kantate für Chor und zwei bis drei Stimmen beworben. Und beim letzten Versuch, als er angemessen akademisch komponierte, klappte es dann auch mit „Fernand“, einer romantischen Dreiecksgeschichte zwischen einem Spanier und zwei Mauren an den nächtlichen Wällen von Granada. Hier ist der spätere Opernkomponist schon spürbar, so wie vorher auch bei dem schottischen Stück „Maria Stuart e Rizzio“ oder in der korsischen Schauernummer „La vendetta“.
Gounod selbst dürfte ausschließlich seinen Siegertitel mit Orchester aufgeführt erlebt haben, hier liegen nun alle drei als Weltersteinspielung vor. Wieder bewährt sich der zufälligerweise mit Madame Bru befreundete Dirigent Hervé Niquet an der Spitze des Flandrischen Radiochores und der Brüsseler Philharmoniker. Auf der zweiten Scheibe gibt es dann – ebenfalls erstmals auf CD – geistliche Vokalmusik. Was nicht nur die andere, immer ein wenig (schein-) heilige Seite des gewieften Kontrapunktikers Gounod dokumentiert, sondern auch Ergebnisse seines zweijährigen Romaufenthalts. Dort beeindruckte ihn der malende Akademie- Chef Jean-Auguste-Dominique Ingres ebenso wie die Erinnerungen an Palestrina. Eine weitere „Vokalmesse“ stammt dann von Gounods anschließender Bildungsreise nach Wien. Aus der Schar der Solisten ragen der dunkelwarme Sopran von Judith Van Wanroij und der lyrische Tenor Yu Shao hervor.
Doch damit nicht genug: Der umtriebige Bru-Zane Chef Alexandre Dratwicki findet den eben nur in Teilen seines Werkes wirklich populären Charles Gounod noch nicht genug gewürdigt und widmet anlässlich dessen 200. Geburtstags die laufende Saison weiteren Entdeckungen. Eben konnte man sich in München, wo man schon lange mit dem BR-Rundfunkorchester kooperiert, von den Schönheiten der letzten, 1881 uraufgeführten Gounod-Oper „Der Tribut von Zamora“ überzeugen. Im Juni, beim schon traditionellen Festival Bru Zane in Paris, sowie im Oktober beim irischen Wexford Festival wird man den „Faust“ in der Urfassung mit Dialogen präsentiert bekommen, ebenso die Oper „Die blutige Nonne“. Eine Serie geistlicher Konzerte ist bereits terminiert, Kostproben der Kammermusik gibt es hingegen vom 7. April bis zum 5. Mai beim Festival in Venedig.

Neu erschienen:

Charles Gounod

Cantates et Musique sacrée (2 CDs)

Gabrielle Philiponet, Chantal Santon Jeffery, Judith van Wanroij, Caroline Meng, Artavazd Sargsyan, Sebastien Droy, Flemish Radio Choir, Brussels Philharmonic, Hervé Niquet

Ediciones/Note 1


www.bru-zane.com


Matthias Siehler, RONDO Ausgabe 1 / 2018



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