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Welterbestatus für die deutsche Opern- und Orchesterlandschaft? Die UNESCO-Zentrale in Paris (c) unesco.org

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Hoher Symbolwert

„Kunst ist schön, kostet aber auch etwas“. Diese an ein berühmtes Karl Valentin-Bonmot angelehnte Formel müssen sich von jeher auch Opern- und Schauspielintendanten über ihre Arbeitskladden notieren, wenn sie wieder über dem nächsten Spielplan brüten. Nicht selten hängen Etat und die sich daraus ergebenden Ambitionen nicht nur vom Publikumszuspruch, von den verkauften Tickets ab, sondern auch vom nötigen Kleingeld aus der Staatskasse, auf das selbst erfolgreichste Bühnen angewiesen sind. Seit jeher wird daher auch über die Notwendigkeit gestritten, eine riesige Theater- und Opernhauslandschaft zu subventionieren, die weltweit einzigartig ist. Öl in diese feurige Diskussion goss beispielsweise die „Wirtschaftswoche“, als sie einmal einen Überblick über die bezuschussten Häuser mit dem reißerischen Titel aufmachte: „Wie deutsche Opernhäuser den Steuerzahler schröpfen“. Denn nicht weniger als zwei Milliarden Euro gibt die öffentliche Hand jährlich für Theater und Oper aus. Nicht schlecht, sagen die einen. Während andere sich mit dem Finger an die Stirn tippen, wenn sie hören, dass selbst ein erfolgreiches Opernflaggschiff wie die Bayerische Staatsoper in München jeden verkauften Sitzplatz mit rund 95 Euro fördert.
Natürlich sind das die prominentesten Beispiele einer Kulturpolitik, auf die im Gegenzug nicht wenige Nachbarn neidisch sind. Andererseits arbeitet der größte Teil dieser Kulturlandschaft, die auch 220 privaten Theater, 2200 freien Spielstätten und etwa 2500 Amateurtheaterbühnen nicht selten am Existenzminimum. Die nächste Kürzung kann dann schnell auch schon die letzte sein. Um den kulturellen Reichtum auch für die Zukunft zu retten, lohnen sich daher gewisse Schritte, die auch angesichts ihrer medialen Verbreitung großen Symbolwert besitzen. So hat jetzt das Auswärtige Amt bei der Weltkulturorganisation UNESCO den Antrag gestellt, die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft als immaterielles Kulturerbe anzuerkennen. 2019 soll darüber in Paris entschieden werden. Dass sich solch ein prestigeträchtiges Prädikat dann auch in handfesten Geldsummen auszahlen kann, kann man an einem jüngeren Beispiel ablesen. 2017 wurden bereits der Orgelbau und die Orgelmusik in Deutschland in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO aufgenommen – und prompt förderte die Bundesregierung die Hege und Pflege der Orgel mit rund fünf Millionen Euro.

Guido Fischer



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