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(c) Priska Ketterer

LGT Young Soloists

Das Ziel vor Augen

Sie sind alles andere als ein gewöhnliches Jugendorchester: Hier ist die Talentschmiede 2.0 am Werk.

Die Musik zum Beruf machen, davon träumen viele. „Aber wenn man mit 13 oder 14 erkennt, dass man wirklich das Ziel hat, Solist zu werden, ist in dem Alter nur selten Gelegenheit, solistisch aufzutreten.“ Das weiß Geiger Alexander Gilman aus eigener Erfahrung nur allzu gut. „Man spielt vielleicht einmal im Jahr vor Freunden und Familie und übt dann wieder Monate allein in seinem Zimmer. Und nach dem Abi geht es ab auf die Hochschule, wo man direkt mit dem Wettkampf beginnt.“
Diesen Druck von den jungen Musikerinnen und Musikern zu nehmen, ist eines der Hauptanliegen des Künstlerischen Leiters, der vor fünf Jahren gemeinsam mit der Pianistin und Orchestermanagerin Marina Seltenreich die LGT Young Soloists ins Leben rief. Ein Projekt, bei dem Nachwuchstalente zwischen 12 und 23 nicht nur ordentlich Konzerterfahrung sammeln, sondern gleichzeitig in den unterschiedlichsten Formationen gefordert werden. Jeder und jede im Ensemble spielt hier abwechselnd solistisch und im Kollektiv, ergänzt durch zahlreiche kammermusikalische Aktivitäten, mit denen das gegenseitige Zuhören weiter geschult wird. „Es klingt so einfach, aber dennoch haben wir damit einen Punkt getroffen, der bislang nicht existierte. Und wir merken, dass sich gerade die Jüngeren durch diese Rotation viel schneller öffnen.“
Selbst am Ende der aktuellen Tournee, ist so die Stimmung beim gemeinsamen Frühstück mehr als entspannt, wo man den zurückliegenden Konzertabend in München noch einmal Revue passieren lässt, aber auch Pläne schmiedet, um vor der Heimfahrt in die verschiedenen Himmelsrichtungen noch einmal gemeinsam die Stadt unsicher zu machen. „Die meckern nie, weil sie einfach Spaß an der Sache haben, weil sie proben wollen und miteinander musizieren. Das ist eine wirklich enge Gemeinschaft, auch jenseits der Konzerte. Wir haben da eine WhatsApp-Gruppe, die quasi nie stillsteht.“ Im Grunde Jugendliche, wie alle anderen auch. „Aber mit einem festen Ziel vor Augen.“
Die Organisation ist dabei nicht immer ganz einfach, weil die verschiedenen Bundesländer bzw. Nationen, aus denen die Mitglieder ihrer bunt gemischten Truppe stammen, selten dieselben Ferientermine haben. „Wir haben vielleicht nicht viele Konzerte im Jahr, aber dafür sind das Adressen wie das Rheingau Musikfestival, die Dresdner Musikfestspiele, London oder Rotterdam. Das macht uns schon froh und stolz, dass wir so eine Resonanz auf unsere Arbeit bekommen.“
Ein Glücksfall für die jungen Musikerinnen und Musiker sind natürlich auch die gemeinsamen CD-Produktionen, bei denen man nach dem Debüt mit „Italian Journey“ und dem viel beachteten Album „Russian Soul“ jetzt mit „Nordic Dreams“ die Reise mit spannenden Entdeckungen aus dem skandinavischen Repertoire fortsetzt. Und auch, wenn einige aus dem Anfangsjahrgang durch diese klingenden Visitenkarten bereits ins feste Engagement gerutscht sind, versuchen fast alle, sich auch weiterhin Zeit für die LGT-Konzerte zu nehmen. „Es ist schon auch so etwas wie eine Ersatzfamilie. Da sagt man nicht so leicht Tschüss.“

Zuletzt erschienen:

„Nordic Dream“, Werke von Sibelius, Atterberg, Bull, Svensen, Halvorsen u. a.

LGT Young Soloists

RCA/Sony


www.lgtyoungsoloists.com


Tobias Hell, RONDO Ausgabe 3 / 2018



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