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(c) Woody T. Herner/Woodworks

Rheingau Musik Festival

Riesling als Rosen

Wenig subventioniert – und trotzdem vorne wie regionsübergreifend mit dabei: Das Rheingau Musik Festival geht mittlerweile in sein 32. Jahr.

Hier kleckert man nicht, man klotzt, hat aber auch Sinn für das Kleine und Kostbare. In einer der schönsten deutschen Landschaften präsentiert beim Rheingau Musik Festival Intendant und Geschäftsführer Michael Herrmann Klassik in wunderbaren Kulissen – und das, ohne sich dabei auf öffentliche Unterstützung zu verlassen. Der Erfolg ist einer Mischung aus Gastfreundlichkeit, klugem Management und Geschmack zu verdanken.
Das Glück liegt im Winkel, das Musikglück in Oestrich-Winkel. Ein paar Häuser, das Brentano-Haus, eine Basilika: Hier werden die Geschicke des Rheingau Musik Festivals gelenkt. Oben aber verliert sich der Blick in grünen, auf- und niederwogenden Weinbergen. Denn hier wächst mit dem Rheingau-Riesling nicht nur der berühmteste Wein Deutschlands, sondern auch ein schönes Musikfestival. Dessen Logo: eine schwarze Note mit Kopf, umgeben von fünf weiteren Bällchen von Blau bis Lila. Macht eine klingende Rebe. Musik und Wein – für die Künstler heißt das als Konzertpräsent: Riesling statt Rosen.
In dem meist sonnenbeschienenen Landstrich zwischen Niederwalddenkmal und Wiesbaden, der sich gern „Riviera am Rhein“ nennt, lässt Herrmann vom 22. Juni bis zum 31. August alle Großen aus Klassik und Jazz antanzen, und die kommen gerne. Zum traditionellen Auftakt in Kloster Eberbach spielt wie jedes Jahr das hr-Sinfonieorchester unter Andrés Orozco-Estrada. Bis vor kurzem war dessen Chef noch Paavo Järvi. Doch der wird weiterhin dem Festival verbunden bleiben. Denn der andere einheimische Klangkörper des Esten, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, fungiert in diesem Jahr – natürlich unter seiner Leitung – als erstes Orchestra in Residence. Zudem werden beide mit dem Rheingau Musik Preis 2019 ausgezeichnet. Die durch das Festival initiierte Auszeichnung wird in diesem Jahr zum 26. Mal vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert.
Für die Jury hätte es mit Blick auf den diesjährigen Leitgedanken „Courage“ für den Musikpreis 2019 keine geeigneteren Preisträger geben können. Die gemeinsamen Errungenschaften dieser fruchtbaren Zusammenarbeit sind herausragend und zugleich Inspiration und Motivation für das Festival und die gesamte Musikbranche. Zum Festival kommt das Orchester mit herausragenden Solisten, die dem Spitzenensemble aus Bremen durch lange musikalische Partnerschaften verbunden sind: Beim Konzertauftakt ist es der Artist in Residence, Daniil Trifonov. Am zweiten Abend folgen Gabriela Montero und Igor Levit, am dritten Hilary Hahn. Im Dezember kehrt die Deutsche Kammerphilharmonie mit Igor Levit noch einmal zum Festival zurück.
Unter dem diesjährigen Leitgedanken „Courage“ richtet das Rheingau Musik Festival einen Blick auf die ehemalige Sowjetunion (Dmitri Schostakowitsch in der Stalin-Ära) und nach Berlin (30 Jahre Mauerfall), aber vor allem auf gesellschaftlichpolitisch engagierte Musiker und interkulturelle Orchester-Projekte aus der ganzen Welt. Ein sehr wichtiges, aktuelles und relevantes Thema. Und neben Daniil Trifonov ist übrigens auch die Fokus-Künstlerin, die deutsche Sopranistin Christiane Karg, mehrfach beim Rheingau Musik Festival vertreten.


Weitere Informationen und Tickets:

www. rheingau-musik-festival.de


Matthias Siehler, RONDO Ausgabe 3 / 2019



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