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(c) Andreas Tischler

Oper im Steinbruch

Familienunternehmen

Hier wird seit 2000 Jahren Kalkstein abgebaut. Doch der Römersteinbruch St. Margarethen ist auch ein toller Resonanzraum für Oper.

Es bleibt in der Familie. Gleich in doppelter Hinsicht. Im Burgenland ist immer noch das einstige Herrschergeschlecht der Fürsten Esterházy allerorten sichtbar. Das Schloss in Eisenstadt und Burg Forchtenstein werden von ihnen als architektonisch-kunsthistorische Juwelen betreut, vermarktet und auch kulturell bespielt – zum Beispiel im Haydnsaal des Schlosses, mit dem im September konzentrierten Festival „Herbstgold“. Das heute von einer Stiftung verwaltete Erbe umfasst weitläufige Ländereien, das Weingut – und einen Steinbruch. Der freilich ist ein besonderer.
Der in der flachen Landschaft in der Nähe des Neusiedler Sees situierte Römersteinbruch St. Margarethen ist einerseits einer der ältesten noch aktiven Werksteinbrüche österreichweit. Von hier stammt der St. Margarethener Kalksandstein, der vor 2000 Jahren beim Bau von Carnuntum Verwendung fand und ab dem 16. Jahrhundert überregionale Bedeutung erlangte. Seit dieser Zeit befindet sich der Steinbruch auch im Besitz der Familie Esterházy. Verwendet wurde das Material für Kirchenbauten in Ödenburg, in Wien für den Stephansdom und Maria am Gestade. Im Barock wurden die Wiener Karlskirche und später zahlreiche Bauwerke der Ringstraße damit errichtet. Seit 2001 ist der Steinbruch gemeinsam mit der Kulturlandschaft Fertőd/ Neusiedler See als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet.
Ein Teil des Steinbruchs ist für Besucher frei zugänglich. Dort sind Informationstafeln über die verschiedenen Gesteinsformationen und die fossilen Funde, die in einem Ausstellungsraum dargestellt sind, angebracht. Es finden sich Wirbelknochen von Walen, Hai-Zähne, Fische und Muscheln. Man sieht auch immer wieder Skulpturen, die verschiedene Bildhauer hier in den letzten Jahrzehnten schufen. Seit den 1960er Jahren werden alle fünf Jahre Passionsspiele von Laiendarstellern gespielt. Und seit dem Jahr 1996 wird die Naturbühne auch als Sommertheater für Opernaufführungen genutzt. Im Jahr 2007 ließ die Stiftungsverwaltung das Festspielgelände komplett neu umgestalten. Nach diversen Querelen werden nun auch die Opernfestspiele neu ausgerichtet.
Hier kommt die andere Familie ins musikalische Spiel. Daniel Serafin, selbst Sänger, ist nämlich nicht nur der Halbbruder der Operndiva Martina Serafin, sondern auch der Sohn des Buffos Harald Serafin, der es als langjähriger Leiter der nahen Operettenfestspiele in Mörbisch am Neusiedler See zumindest in Österreich zu legendärem Ruhm gebracht hat. Und Serafin startet als Marketingchef des stiftungseigenen Kulturbetriebs vom 10. Juli bis zum 17. August die Oper im Steinbruch mit Mozarts „Zauberflöte“ neu. Burgtheaterstar Cornelius Obonya wird inszenieren, der weltweit gefragte Bühnenbildner Raimund Bauer den Steinbruch in eine utopische Ideallandschaft verwandeln. Und TV-Star Max Simonischek gibt den Papageno. Gute Voraussetzungen für ein ganz besonderes Opernerlebnis. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen!


Weitere Infos und Tickets:

www.operimsteinbruch.at


Matthias Siehler, RONDO Ausgabe 3 / 2019



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