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Abstand beim Einstand: Wie können Konzerte wieder stattfinden? © pixabay.com

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Schrittweiser Restart

In den letzten Wochen und Monaten gab es für Klassikfans nur wenig Freude. Am laufenden Band wurden Festivals abgesagt. Und auch der Konzertbetrieb wurde von den meisten Häusern inzwischen eingestellt. Dass Philharmonien, Orchester und Solisten die musikalische Grundversorgung immerhin per Internet zu retten versuchen, ist zwar löblich, aber natürlich kein adäquater Ersatz fürs Live-Erlebnis. Doch mittlerweile wird nicht nur der Chor von Verantwortlichen größer, der sich für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs einsetzt – unter Beachtung aller coronaadäquaten Sicherheitsmaßen, versteht sich. Tatsächlich gibt es bereits erste Ankündigungen für einen Restart des musikalischen Lebens. So hat etwa der Weltklasse-Pianist Rudolf Buchbinder in seiner Funktion als Künstlerischer Leiter des österreichischen Grafenegg Festivals nun mitgeteilt, dass die August-Ausgabe stattfinden wird. Um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten, hat man daher das Festival als reines Open-Air-Event konzipiert. „Natürlich gibt es gezwungenermaßen ein anderes Programm“, wird Buchbinder von der Zeitung „Kurier“ zitiert. „Aber ich glaube, dass das Austauschprogramm das ursprünglich geplante fast toppt.“ Einen Monat vorher wird bereits das Linzer Brucknerhaus die Pforten für Konzerte geöffnet haben. Wobei die Sitzplatzkapazität im großen Saal zwangsläufig reduziert werden wird, von 1400 auf 400 Besucher.
Mit Grafenegg und Linz werden also wichtige Zeichen in Zeiten musikalischer Trostlosigkeit gesetzt. Was übrigens ganz zu einer Forderung passt, mit der sich die Intendanten von acht österreichischen Orchestern an die verantwortliche Kulturstaatssekretärin gerichtet haben. So soll so rasch wie möglich der Besuch von Konzerten und Opernaufführungen ermöglicht werden. Unter Anwendung verschiedener Maßnahmen sei ein ordentlicher Proben- und Spielbetrieb möglich, erklärten die Orchester. So müsse auf der Bühne und im Orchestergraben jeweils ein Meter Mindestabstand zwischen Musikern eingehalten und vor Bläsern Plexiglas-Wände aufgestellt werden. Im Backstage-Bereich werde das Tragen von Mund-Nase-Schutz-Masken empfohlen. Musiker sollten sich täglich selbst auf mögliche Corona-Symptome überprüfen lassen.
Dass solche Maßnahmen unter Orchestermusikern notwendig sind, unterstreichen immer wieder neue Versuchsreihen. So haben verschiedene Forschungsabteilungen wie das Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Bundeswehr-Uni in München festgestellt, dass unter den Bläsern gerade die Querflötisten mit ihrem Speichelausstoß die größte Ansteckungsgefahr bilden.
Nicht nur in Österreich, sondern auch in deutschen Landen scheint aber endlich der Konzertbetrieb wieder anzulaufen. So will das Hessische Staatstheater Wiesbaden mit der Genehmigung des zuständigen Gesundheitsamtes ab dem 18. Mai wieder spielen. Und den Anfang macht der österreichische Bassist Günther Groissböck mit einem Liederabend und Werken von Schubert und Mahler.

Guido Fischer



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