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(c) Andreas Hechenberger

Christoph Koncz

Auf Mozarts Griffbrett

Der Geiger hat die Violinkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart erstmals auf dessen eigenem Salzburger Instrument eingespielt.

RONDO: Wie haben Sie Mozart für sich entdeckt?

Christoph Koncz: Ich bin in einer österreichisch-ungarischen Musikerfamilie in Wien aufgewachsen. Mozart ist immer ein wichtiger Teil meines musikalischen Lebens gewesen. Schon mit acht Jahren habe ich sein Violinkonzert in G-Dur aufgeführt. Die Kadenzen habe ich bereits damals selbst geschrieben.

RONDO: Mit dem Originalklang-Ensemble Les Musiciens du Louvre haben Sie jetzt alle fünf Violinkonzerte erstmals auf Mozarts Mittenwalder Geige aufgenommen.

Koncz: Das Besondere daran ist, dass Mozart auf dem Instrument musizierte, als er in Salzburg Konzertmeister der Hofkapelle war. In der Zeit entstanden seine Violinkonzerte, die er für diese Geige komponiert hat. Sie wird seit jeher als Reliquie behandelt. Im Gegensatz zu vielen anderen historischen Instrumenten ist die Mittenwalder Geige daher niemals modernisiert worden. Sie ist in Mozarts Geburtshaus als Museumsstück ausgestellt und wird nur selten gespielt.

RONDO: Wann haben Sie das Instrument zum ersten Mal in der Hand gehabt?

Koncz: 2012 konnte ich die Geige bei einem Kammerkonzert in der Stiftung Mozarteum erleben. Ich wurde dann eingeladen, sie selbst auszuprobieren. Wenige Tage später stand ich im Tresorraum von Mozarts Geburtshaus und spielte alle Violinkonzerte ohne Pause durch. Ich war ganz allein mit der Geige, ein Stockwerk über dem Zimmer, in dem Mozart zur Welt gekommen war.

RONDO: Hatten Sie gar keine Scheu davor, sie zu spielen?

Koncz: Meine Begeisterung war so groß, dass ich sofort losgelegt habe. An den Umgang mit wertvollen Violinen bin ich seit meiner Kindheit gewöhnt. Mir war aber die ganze Zeit bewusst, dass dies eine besondere Ausnahmesituation war.

RONDO: Worin unterscheidet sich der Klang von dem der Stradivari, die Sie ansonsten spielen?

Koncz: Mozarts Geige ist ein Barockinstrument mit Darmsaiten. Sie hat besondere Qualitäten im oberen Register, auf der A- und der E-Saite. Der Klang ist silbrig-hell und leuchtend, was auch dem Cantabile-Spiel sehr zugutekommt. Nach intensiven Recherchen bin ich davon überzeugt, dass Mozarts Erfahrungen auf diesem Instrument entscheidenden Einfluss darauf hatten, wie er seine Violinkonzerte komponiert hat.

RONDO: Ist Mozarts Geist beim Spielen dieser Geige noch spürbar?

Koncz: Ich glaube, dass ein Interpret sein Instrument formen kann. Den spezifischen Klang findet man vor allem dann wieder, wenn nach ihm nur wenige andere Musiker darauf gespielt haben. Für mich ist es sehr berührend, dass ich auf dieser Geige meine eigenen Kadenzen spielen kann. Ich habe mich bemüht, sie möglichst im Stil von Mozart zu schreiben. Zu seinen Violinkonzerten hat er keine Kadenzen hinterlassen. Das deutet darauf hin, dass er die Stücke selbst aufführte und an diesen Stellen improvisierte.

RONDO: Mozarts Musik ist längst zu einem globalen Kulturgut geworden. Kann Ihre CD eine neue Brücke zwischen unserer Gegenwart und seiner Zeit schlagen?

Koncz: Mit Hilfe seiner Geige möchte ich möglichst nah an Mozart herankommen. Die Aufnahme gibt uns nun die Chance, den einzigartigen Klang des Instruments in die gesamte Welt zu tragen. Mir geht es vor allem darum, diese Kunst mit Leben zu erfüllen, so dass sie die Menschen auch nach 250 Jahren emotional berühren kann.

Neu erschienen:

Wolfgang Amadeus Mozart

Die fünf Violinkonzert

mit Koncz, Musiciens du Louvre

Sony

Corina Kolbe, RONDO Ausgabe 5 / 2020



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