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(c) Mercè Rial

Núria Rial

Zurecht gezupft

Sie gilt derzeit als die spanische Alte-Musik-Sopranistin schlechthin. Doch jetzt hat Rial einmal auch Gitarren-Lieder von de Falla und Granados aufgenommen.

RONDO: Frau Rial, Sie sind ja eigentlich in der Barockmusik zu Hause. Auf Ihrer neuen CD überraschen Sie nun mit völlig anderem Repertoire, mit dem spanischen Kunstlied.

Núria Rial: Für einen Künstler ist es sehr spannend, sich weiterzuentwickeln und neue Ufer zu erforschen, neue Farben. Das ist ein bisschen wie bei einem Schauspieler: Es wäre langweilig, immer nur denselben Typ spielen zu dürfen. Für Musiker ist es genauso. Zudem bin ich mit dieser spanischen Musik, mit den Liedern von Manuel de Falla und Enrique Granados, sehr vertraut.

RONDO: Gab es dennoch sängerisch so manche Herausforderungen?

Rial: Die beiden Zyklen, Granados’ „Tonadillas escritas en estilo antiguo“ sowie die „Siete canciones populares españolas“ von de Falla, sind technisch nicht immer leicht. Doch die eigentliche Herausforderung liegt darin, den folkloristischen Stil beizubehalten. Man muss diese Lieder, die manchmal schon sehr lyrisch sind, so singen, dass sie nie ins Opernhafte umschlagen. Man muss immer irgendwie diese spanische Farbe bewahren.

RONDO: Die Liederzyklen wurden ursprünglich für Stimme und Klavier komponiert. Aufgenommen haben Sie sie diese aber jetzt in Arrangements für die Gitarre …

Rial: Es stimmt, dass es sich dabei eigentlich um Klavierlieder handelt. Aber das Klavier versucht oftmals, die Gitarre zu imitieren. Die Gitarre ist ja das spanische Instrument überhaupt. Deswegen dachten wir, es wäre schon nicht zu gewagt, diese Lieder für Gitarre zu bearbeiten. Dabei sind sie ja oftmals unheimlich virtuos. Was dementsprechend sehr, sehr schwer auf der Gitarre zu spielen ist. Aber ich finde, Edin Karamazov hat nicht nur alles herrlich bearbeitet, sondern auch gespielt. Ich hätte mich das nicht mit jedem Gitarristen getraut …

RONDO: Edin Karamazov ist nicht zuletzt durch seine (Lauten-)Projekte mit Sting und Andreas Scholl bekannt geworden. Woher kennen Sie sich?

Rial: Wir haben gleichzeitig in Basel an der Musikakademie studiert. Und schon damals habe ich ihn live erlebt, allerdings an der Theorbe bzw. Laute. Dass er auch die Guitarra española so gut spielen kann, ahnte ich damals noch nicht. Aber auch schon an der Theorbe hatte ich ihn als sehr wagemutigen Musiker empfunden. Er spielt immer mit Charakter. Es klingt bei ihm nie anonym oder brav oder gepflegt … Überhaupt nicht. Er hat eine sehr starke Persönlichkeit – und eine eigene Sprache auf der Gitarre.

RONDO: Neben de Falla und Granados haben Sie noch einige Lieder von Lorenzo Palomo aufgenommen, der in Deutschland ja eher als Geheimtipp gilt.

Rial: Lorenzo Palomo ist bei uns in Spanien nicht so unbekannt. Bereits María Bayo oder Ainoha Arteta haben seine Werke gesungen – aber auch unsere größte Diva Montserrat Caballé. Palomo lebte fast 40 Jahre in Berlin, wo er sehr lange als Korrepetitor an der Deutschen Oper tätig war. Dementsprechend kennt er sich sehr gut mit der Gesangsstimme aus. Doch auch die Gitarre ist ihm bestens vertraut – dank seiner langjährigen Freundschaft mit dem berühmten Gitarristen Pepe Romero.

Neu erschienen:

„con guitarra“ – Lieder von de Falla, Granados, Palomo

mit Rial, Karamazov

Coviello/Note 1

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Guido Fischer, RONDO Ausgabe 6 / 2020



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