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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Dirigent Giovanni Antonini (c) Kemal-Mehmet Girgin

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Der italienische Dirigent Giovanni Antonini glaubt an einen Zusammenhang zwischen italienischer Musik und italienischer Küche. „Typisch italienisch ist es, mit einfachen Bestandteilen zu arbeiten, die im Ergebnis erkennbar bleiben“, sagte er in Mailand. Genau dies verbinde die italienische Küche mit der italienischen Musik. „Der ‚Begründer‘ der italienischen Kochkunst, Pellegrino Artusi, wollte mit seiner Schrift ‚La scienza in cucina e l’arte di mangiar bene‘ (Von der Wissenschaft des Kochens und der Kunst des Genießens, 1891) einen Beitrag zur politischen Einheit Italiens liefern. Deswegen war es sinnvoll, dass die Rezepte einfach bleiben. Alles basiert auf gutem Öl.“

Die russische Pianistin Yulianna ­Avdeeva hält Klavierabende für keine einsame Angelegenheit. „Der Flügel ist ja da“, sagte sie zu Hause in München. „Flügel sind eigentümliche Wesen, die einen Charakter haben. Einige haben einen schlechteren, mit denen versteht man sich dann weniger gut.“ Instrumente, die sie bereits kenne, begrüße sie als alte Freunde. „Ich sage dann: ‚Freut mich, dich wiederzusehen!‘”

Der Wiener Bariton Georg Nigl meint, dass man Franz Schubert anders singt, wenn man viel Neue Musik aufgeführt und uraufgeführt hat. „Erst bei lebenden Komponisten habe ich gelernt, dass auch Genies ganz normale Leute sind. Sie wünschen sich zum Beispiel keinen devoten, sondern einen schöpferischen Umgang mit ihren Werken.“ Demut und all das seien Vorstellungen des 19. Jahrhunderts, die es auch zu hinterfragen gelte, so Nigl in seiner Wohnung im Wiener Alsergrund. Wolfgang Rihm etwa „sagt immer: ‚It’s All Yours‘. Das bedeutet beinahe: ‚Mach was draus!‘ Diese Einstellung, welche eine größere Freiheit für den Interpreten mit sich bringt, sollten wir mehr bedenken.“

Pablo Heras-Casado, spanischer Dirigent mit Wohnsitz in Granada, hält die Augen für die wichtigsten Körperteile des Dirigenten – für die Orchestermusiker. „Ich könnte mir nicht vorstellen, so wie Herbert von Karajan, mit geschlossenen Augen zu dirigieren.“ Für das Publikum dagegen sei „der Rücken“ des Dirigenten der wichtigste Körperteil. „Ich trage deswegen keinen Frack“, so Heras-Casado, „denn er fühlt sich für mich altmodisch an. Fräcke, denke ich, sind ratsam nur für übergewichtige Dirigenten.“ Von seiner Ehefrau, der Fernsehmoderatorin Anne Igartiburu, hat sich Heras-Casado, wie er am Rande des Interviews erklärte, kürzlich getrennt.

Die russische Sopranistin Olga Peretyatko fürchtet sich nicht vor hohen Tönen. „Ich habe diese Angst nicht, aber ich würde andererseits auch nie Blondchen in der ‚Entführung aus dem Serail‘ singen, wo man ein hohes E braucht. Mein letztes hohes E habe ich 2013 gesungen. Das hat mir gereicht.“

Countertenor Philippe Jaroussky kommt nach Konzerten „fast nie vor drei Uhr morgens“ ins Bett. „Und dabei soll man doch immerfort vorsichtig sein und auf die Stimme achten. Das ist echter Stress.“ Er versuche sich deswegen immer einzureden, eine Absage würde nicht das Ende der Welt bedeuten. „Aber ich muss zugeben: Ich singe, wie viele Sänger, lieber ein Konzert, mit dem ich unzufrieden bin – als gar kein Konzert.“ Er wolle noch maximal zehn weitere Jahre auf der Bühne stehen, so Jaroussky, werde sich aber zunehmend aufs Dirigieren verlegen – und kaum noch singen.

Der isländische Pianist Víkingur ­Ólafsson findet nicht, dass er ein Pop-Image hat. „Zugeben würde ich, dass ich kein richtiges Klassik-Image habe“, so Víkingur in seiner Heimatstadt Reykjavík. „Es liegt daran, dass ich einen eigenen Fotografen beschäftige. Ich gestalte auch die Alben-Cover mit und lege großen Wert auf das optische Erscheinungsbild des Ganzen. Im Pop-Bereich aber würde ich gewiss anders aussehen.“ Aber wie?! „Schauen Sie mich an. Irgendwie glamouröser.“

Robert Fraunholzer, 24.09.2022, RONDO Ausgabe 4 / 2022



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