home

N° 1291
04. - 10.02.2023

nächste Aktualisierung
am 11.02.2023



Startseite · Konzert · Da Capo

(c) Claudia Heyse

Massenet-Soufflé: Massenets „Esclarmonde“

Dessau, Anhaltisches Theater

Die Belle époque – Sehnsuchts-Epoche jedes Paris-Touristen – erfand nicht nur den Eiffelturm, Glanz und Elend der Kokotten und eine Schwäche für Sahne-Baisers. Auch die Vorliebe für Saison-Chic, für Talmi, Strass und falschen Flitter kam damals in die Welt. Perfekter musikalischer Ausdruck dieser Lust am Neuen war der heute als „Modekomponist“ bespöttelte Jules Massenet.
Dass sein Hauptwerk „Esclarmonde“ (1889) so lange auf eine deutsche Erstaufführung warten musste, sagt etwas über die Verschmälerung unseres Repertoires. Auch Werke wie „Le Cid“, „Hérodiade“, „Cléopatre“ oder „Chérubin“ haben in Wirklichkeit ihr Verfallsdatum nicht erreicht – und könnten einmal wieder zum dernier cri einer Hauptstadt- Saison erklärt werden. Nun ist es das Anhaltische Theater Dessau, das sich einer Aufgabe annimmt, die eigentlich Berlin anstünde.
Die Dessauer Ensemble-Diva Angelina Ruzzafante – ein Name, den man nicht erfinden kann – betört als unkeusche Zauberin im Fantasy-Mittelalter Massenets. Nicht nur der schwarze Ritter Roland (mit großartigen Reserven: Sung Kyu Park) zieht für sie in den Kampf. Auch das Publikum verfällt den byzantinischen Beschwörungskünsten. Immerhin: In der Schallplattengeschichte zeigte sich der Titelrolle bislang nur Joan Sutherland gewachsen. Daniel Carlberg am Pult der Anhaltischen Philharmonie bäckt, belüftet und beduftet Massenets Kirsch-Soufflé. Eine Aufführung, die scharenweise Publikum aus Berlin und Wien anlockte.
Sie platziert eine preiswürdige Ohrfeige im Gesicht jener Sparpolitiker in Sachsen- Anhalt, die soeben dem 1100 Plätze-Haus die Beine weghauen wollen. Durch eine geplante Kahlschlag-Aktion sollen dem Theater die Subventionen zusammengestrichen werden. Wodurch das Haus handlungsunfähig würde, während nicht einmal 3 Millionen Euro gespart würden. Ausgrabungen wie diese, welche Theatertraditionen neu beleben, wären ein für alle Mal perdu. Sagen wir es deutlich: Dessau gelingt mit „Esclarmonde“ der Fund des Jahres. Bitte weiter so!

Robert Fraunholzer, 14.09.2013, RONDO Ausgabe 4 / 2013



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Gefragt

Dee Dee Bridgewater

Hochprozentig Mississippi

Mit 65 Jahren zählt sie zu den Grand Old Ladies des Jazz. Das Gespräch mit ihr wurde zum knappen […]
zum Artikel

Gefragt

Anne­-Sophie Mutter

Leidenschaftliches Kräftemessen

30 Jahre nach ihrer letzten gemeinsamen CD interpretieren Anne-­Sophie Mutter und die Berliner […]
zum Artikel

Volt & Vinyl

Volt & Vinyl

LA Philharmonic, New York Philharmonic, Dudamel u. a.

Wenn sich Steven Spielberg schon mal einen Jugendtraum erfüllt, dann darf es etwas kosten. Und so […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Das Calidore String Quartet wurde 2010 an der Colburn School in Los Angeles gegründet und gehört zu den führenden amerikanischen Streichquartetten. Das mittlerweile in New York City ansässige Ensemble wurde mehrfach ausgezeichnet: So gewann es 2012 den dritten Preis beim ARD-Wettbewerb in München, und 2016 erhielt das Quartett den Hauptpreis beim ersten M-Prize-Wettbewerb, der mit 100.000 US-Dollar die weltweit größte Auszeichnung für Kammermusik darstellt. Das Calidore String Quartet […] mehr


Abo

Top