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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

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am 04.12.2021



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Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

45 Tage nach seiner Krebsoperation ist Plácido Domingo in Mailand in der Titelrolle von »Simone Boccanegra « auf die Bühne zurückgekehrt – und dabei mit kräftigen Buhs bedacht worden. Das berüchtige »Loggione «, die Galerie der Scala, reagierte indes nicht nur auf Domingo unleidlich und gereizt. Als Daniel Barenboim nach der Pause zum Dirigentenpult zurückkehrte, wurde er von endlosen Buh-Ausbrüchen begrüßt, die er mit vernichtenden Blicken quittierte. Rufe wie »vergogna « (»Schande«) wurden laut. Nach der Vorstellung wiederholten sich die Buhs für Barenboim und Domingo. Unterdessen hat »the unsinkable Plácido«, wie der beliebt böszüngige Opern-Blog »OperaChic« den Sänger tituliert, sein Debüt als Rigoletto angekündigt – erneut eine Baritonpartie, demnächst in Mantua. Auch ein weiteres Restaurant hat Domingo unlängst eröffnet. Das »Zengo« an der East Side von Manhattan ist neben zwei Restaurants in Doha (der Hauptstadt von Qatar) bereits dritte Lokal, an dem Domingo als Unternehmer beteiligt ist. Das Herausschmuggeln von Informationen durch Mitarbeiter des Palau de les Arts Reina Sofia in Valencia hat erneut zum Platzen eines Vertrags mit dem zukünftigen (Chef )Dirigenten geführt. Nachdem im Vorjahr aus undichten Quellen ruchbar geworden war, Riccardo Chailly solle Nachfolger von Lorin Maazel werden, war Chailly von der Verabredung zurückgetreten. Jetzt geschah es ähnlich mit dem als ständigen Gastdirigenten angedachten Gianandrea Noseda. Er ließ erklären, für längerfristige Verpflichtungen nicht zur Verfügung zu stehen, nachdem die Personalie öffentlich geworden war. So wird es immer enger für Intendantin Helga Schmidt, die in ihrem eigenen Hause offenbar einen Spion sitzen hat.
Kurz vor der Premiere von Rossinis »Armida« an der New Yorker Metropolitan Opera hat die Sängerin der Titelrolle, Renée Fleming, es nicht lassen können, ihren Gefühlen via »Twitter« freien Lauf zu lassen: »Bin immer noch nervös, hoffe vor allem, dass das Publikum das Werk anerkennen wird«, zwitscherte sie wenige Stunden vor der Premiere. Am Tag danach – der Erfolg war gemischt und die Vorstellung bei Weitem nicht ausverkauft – postete sie: »Ich sah mich im Spiegel und glaubte, ich wäre in einem Zombie-Film.«
Die Mezzosopranistin Blanche Thebom, die von Wilhelm Furtwängler angeblich wegen ihrer Oberweite gegenüber der Mezzosopranistin Margarete Klose als Brangäne bevorzugt wurde, als in London die berühmte »Tristan und Isolde«-Aufnahme (EMI) entstand, ist tot. Thebom starb in Alter von 94 Jahren. Sie hatte sich bereits 1963 von der Bühne zurückgezogen.
Mit Dirigenten ist nicht zu spaßen. Nachdem bereits Marek Janowski dem Orchestre de la Suisse Romande den Laufpass gegeben hat und man dort, nachdem voreilig Bertrand de Billy als Nachfolger präsentiert wurde, demnächst ganz ohne Chefdirigent dastehen wird, hat auch David Zinman beim Aspen Festival hingeschmissen. Zinman habe nicht »in einer Atmosphäre von Anspannung, Unsicherheit und mangelndem Respekt weiterarbeiten wollen«, heißt es in einem Bericht der »Aspen Times«. Hintergrund waren wie so oft Budgetkürzungen. Die Sopranistin Irmgard Arnold, Protagonistin Walter Felsensteins an der Komischen Oper in Berlin, glaubt nicht, dass das heutige Haus noch viel mit der Tradition von damals zu tun hat. »Was die heute machen, ist etwas ganz Anderes.« Mit dem detailversessenen Felsenstein zu arbeiten, sei anstrengend gewesen, so die heute 90-Jährige. »Viele Sänger haben das nicht ausgehalten.« Da das Ansehen Felsensteins in der DDR groß war, habe man sich damals teureres Theater leisten können, als dies heute möglich sei. »Ich gehe immer noch in die Premieren«, so die rüstige Wahlberlinerin. »Aber manches Mal komme ich nach der Pause nicht mehr zurück.« Der Berliner Pianist Martin Helmchen hat sein Pianistenleben radikal geändert. »Ich sehe viele Kollegen, die scheinbar gut im Hamsterrad überleben, zu dem sich unser Beruf immer mehr entwickelt«, so Helmchen in Berlin. »Ich werde depressiv, wenn ich nicht regelmäßig aussteige.« Er nehme sich mindestens einen Tag frei in der Woche und biete Veranstaltern nur ein Recitalprogramm pro Saison an – so wie dies Alfred Brendel getan habe und Grigory Sokolov. Auch seine Freundin, die Cellistin Marie-Elisabeth Hecker, versuche sich die Option offen zu halten, »weniger zu machen«. Trotzdem sei das Solistenleben anstrengend genug. Er übe an Tagen, an denen er abends konzertiere, bis zu fünf Stunden, bevor er auf die Bühne geht.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 3 / 2010



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