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N° 1291
04. - 10.02.2023

nächste Aktualisierung
am 11.02.2023



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Mischt sich noch immer ein: Ioan Holender (c) Künstler

Pasticcio

Dunkle Wolken der Vergangenheit

In Wien ist gerade ausgerechnet in zwei heiligen Institutionen der Teufel los. Das Burgtheater wurde dank des inzwischen geschassten Direktors Matthias Hartmann von einem veritablen Finanzskandal erschüttert. Die Wiener Philharmoniker hingegen müssen sich einmal mehr mit ihrer Nazi-Historie und ihrer Aufarbeitung auseinandersetzen. Ausgelöst hatte die Diskussion ein Gemälde des Franzosen Paul Signac, das 1940 als Raubkunst in den Besitz der Philharmoniker gelangte und nun endlich den rechtmäßigen Erben zurückgegeben werden konnte. 2013 hatte der Orchestervorstand Clemens Hellsberg die Provenienzforscherin Sophie Lillie mit der nun erfolgreichen Recherche beauftragt.
Doch damit ist das Kapitel zumindest für den ehemaligen Wiener Staatsopern-Direktor Ioan Holender noch nicht beendet. Für ihn kam nicht nur Hellsbergs Schritt viel zu spät. Holender macht in diesem Vorgang einen typischen Charakterzug bei dem Top-Philharmoniker aus. „Diese Entscheidung ist doch wieder bloß eine Reaktion, keine Aktion“, so der einstige Opernchef im Interview mit dem österreichischen Nachrichtenmagazin „profil“. „Der Vorstand der Philharmoniker – und nur um diesen geht es hier, nicht um die Mitglieder dieses Vereins – hat immer nur reagiert. Schon in der Causa Schirach, dem Fall der noch 1966 vollzogenen Ehrung des Ex-Gauleiters, wurde Clemens Hellsberg erst 2013 über massiven Druck von außen initiativ.“
Auch wenn manche in Ioan Holenders Vorwürfen erneut den Beitrag eines nach PR und Scheinwerferlicht süchtigen Kulturmanagers sehen, der immerhin auch lange mit seinem Duz-Freund Hellsberg zusammengearbeitet hat, so steckt in ihnen doch mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Schließlich konnte erst im vergangenen Jahr ein dreiköpfiges Historikerteam nach umfassenden Recherchen auch im Orchester-Archiv ihre ersten Ergebnisse vorgelegen – nachdem der Druck in der Öffentlichkeit zugenommen hatte, endlich die dunklen Orchester-Archive zu öffnen. In die Debatte hat sich übrigens jetzt auch Star-Regisseur David Pountney eingeschaltet, der in der Holender-Ära an der Wiener Staatsoper Regie führte. Poutney sieht in der langsamen Aufarbeitung der philharmonischen Geschichte nichts Ungewöhnliches. Denn für ihn verhält sich das Orchester nur so, wie es die gesamte österreichische Gesellschaft schon immer getan hat.

Guido Fischer



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