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30. Mai — 05. Juni 2020

Festival on Tour


Wenn das Publikum nicht zum Mozartfest kommen kann, kommt das Mozartfest eben zum Publikum. Frei nach diesem Gedanken versucht das Mozartfest Würzburg, ein gemeinsames Musikerlebnis trotz Kontaktbeschränkungen möglich zu machen. Vom 19. bis 21. Juni laden die sogenannten Eumel-Konzerte zum Musikhören in den Würzburger Hinterhöfen ein. Als Fortbewegungsmittel der Wahl dient der Musik-LKW „Der Blaue Eumel“, der als Kulturbote mit einem Flügel an Bord durch die Mozartstadt tourt und für kleine Open-Air-Veranstaltungen an verschiedenen Orten Station macht. Seine Crew, ein Ensemble aus Musikern und Schauspielern, bringt ein buntes Programm aus Kammermusik, Jazz und Theater auf die mobile Musikbühne. Für ein solches Konzert im eigenen Hinterhof konnten sich zuvor alle Hausgemeinschaften des Würzburger Stadtgebiets bewerben. Das unter dem Motto „Widerstand. Wachsen. Weitergehen“ stehende Mozartfest 2020 musste aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Für das Alternativprogramm erweist sich der Leitspruch Ludwig van Beethovens, von dem das Festivalmotto abgleitet wurde, als besonders treffend: „Weitergehen, ist in der Kunstwelt, wie in der ganzen großen Schöpfung, Zweck.“ Das MozartLabor, in dem Stipendiaten und Stipendiatinnen verschiedener Fachdisziplinen unter professioneller Anleitung das Festivalthema forschend ergründen, findet derweil statt. Auf Publikum muss zwar verzichtet werden, Livestreams auf YouTube ermöglichen allerdings digitale Teilhabe an den Veranstaltungen vom 13. bis 16. Juni.

(Foto: Boris Wagner)




23. — 29. Mai 2020

Goldene Schnitte


Eigentlich zeichnet Ralph Vaughan Williamsʼ Liedzyklus „On Wenlock Edge“ für Tenor und Streichquartett Szenen aus dem Leben eines Engländers in rein musikalischer Weise. Mit einem animierten Scherenschnittfilm hat Jeremy Hamway-Bidgood der Geschichte nun neues Leben eingehaucht. Das Lied in Szene setzen – das wäre auch eine Ambition des Wochenendes „Neuland.Lied“ beim Heidelberger Frühling gewesen. Als Labor für das Lied der Zukunft, das vom Internationalen Liedzentrum Heidelberg ausgehend Begegnungen mit Altem und Neuem ermöglicht und verschiedene Liederzyklen genauestens unter die Lupe nimmt. Jetzt, wo das Festival aufgrund des Coronavirus nur digital stattfinden konnte, ist es umso schöner, dass dieses feine Projekt auf der Seite des Projekts Oxford Lieder online bestaunt werden kann. Selbst wenn auf die musikalische Live-Untermalung durch den Tenor Daniel Norman, das Brodsky Quartett und den Pianisten Sholto Kynoch verzichtet werden muss. Stattdessen gibt es Einblicke in die Entstehungsgeschichte und die Live-Aufführung. Und wer auf den Geschmack gekommen ist, kann direkt weiterschauen – auch Franz Schuberts „Erlkönig“ wurde auf diese liebevolle Weise schon scherenschnittig in Szene gesetzt. Sehenswert! (Fotos: Projekt Oxford Lieder)




16. — 22. Mai 2020

Krisenhilfe


Dass die klassische Musik durch die Corona-Pandemie leidet, steht außer Frage. Und doch: In Zeiten, in denen überall auf der Welt Menschen von den Folgen des Virus betroffen sind, ist es besonders wichtig, auch an diejenigen zu denken, denen eine Grundversorgung gänzlich fehlt. Mit der Facebook-Seite „Classical Musicians to Help Refugees during Corona Crisis“ haben mittlerweile eine Reihe von Künstlern über Musikvideos ihre Solidarität bekundet, verbunden mit einem Spendenaufruf für Ärzte ohne Grenzen. Ins Leben gerufen wurde die Initiative von der Agentin für klassische Musik Antonia Paulus und dem Fotografen Nikolaj Lund, mit Blick auf die prekären Situationen in griechischen Flüchtlingslagern. „Musik hatte, wie Kunst im Allgemeinen, immer einen großen Einfluss auf die politischen Umstände. Wir haben diese Initiative gestartet, um zu zeigen, dass viele Musiker sich während COVID-19 nicht nur um ihre eigene Situation sorgen, sondern Menschen aller sozialer Schichten unterstützen möchten“, heißt es in einem gemeinsamen Statement. Zu den mittlerweile mehr als 70 Künstlern, die das Projekt unterstützen, zählen namhafte Musiker wie Johannes Moser, Liza Ferschtman oder Alban Gerhardt. „Musik kann trösten und Ruhe schaffen, sie bringt uns zusammen und spricht direkt die Seelen der Menschen an“, sagt die Pianistin Marianna Shirinyan. „Ich hoffe, dass wir mit diesem Aufruf ein Bewusstsein für die humanitären Katastrophen hervorrufen können, die eintreten können, wenn wir jetzt nicht handeln“.

Mehr Informationen auf der Facebookseite:

www.facebook.com/HelpRefugeesDuringCoronaCrisis/

(Titelfoto: Nikolaj Lund, Künstlerfotos: privat)




09. — 15. Mai 2020

Tagebuch trifft Memory


Konzeptprogramme mit rotem Faden – das ist das Markenzeichen des Kuss Quartetts. Die jüngste Idee: Ein Genregrenzen überschreitendes Beethoven-Programm, das im Spannungsfeld zwischen äußeren Zwängen und innerer Freiheit forscht, den Gegensatz zwischen Wunsch und Wirklichkeit ergründend, in dem sich der Komponist zeit seines Lebens bewegte. An die Seite des Streichquartetts tritt hierfür das Berliner Musiktheater-Ensemble „Nico and the Navigators“, mit dem das Quartett schon für sein Projekt „Muss es sein“ zusammengearbeitet hatte. Eigentlich hätte die Co-Produktion „Force and Freedom“ unter der Regie von Nicola Hümpel bei den Schwetzinger Festspielen im Mai ihre Premiere gefeiert, nun musste sie Corona-bedingt auf 2021 verschoben werden. Es folgte die Transformation in ein digitales Tagebuchprojekt, das eine unmittelbare Reaktion auf die neuen Situationen in der Corona-Pandemie darstellt, denen wir begegnen. Musiziert wird aus der Isolation heraus, ohne Rückmeldung eines Publikums. Das geschieht bei „Force and Freedom“ mit kleinen Clips, die ungewöhnliche und vielfältige Szenen zeigen: Da gibt es brennende Noten, Autobahnbrücken, Katzen, die mit Metronomen spielen und weitere Skurrilitäten – das alles unterlegt mit der Einspielung der Beethoven-Quartette durch das Kuss Quartett (jüngst beim Label Rubikon Classics erschienen). Die Summe der 29 Tagebucheinträge ergibt das Ganze, und am Ende winkt ein spielerisches Memory. Ein erfrischendes Videoprojekt in Zeiten der Streamingflut.

(Fotos: Nico and the Navigators)




02. — 08. Mai 2020

Auf Ur-Sendung


Jährlich im April kommt in Witten die Neue-Musik-Szene zusammen, wenn die Wittener Tage für neue Kammermusik anstehen. Doch was macht dieses Festival, das der zeitgenössischen Musik ein Zuhause beschert, wenn in Corona-Zeiten an Konzerte kaum zu denken ist? Richtig, es zieht um, ins Radio und in den digitalen Raum. So wurden die Wittener Tage für neue Kammermusik vom WDR 3 kurzerhand zum Radio- und Videoevent umfunktioniert. Am vergangenen Wochenende sendete man Neues und Allerneuestes aus der Ruhrstadt in die Welt. Die Musiker spielten die Auftragswerke daheim oder in nahe gelegenen Studios ein – ob in Tel Aviv, Boston oder Freiburg, zum Teil in komplizierten Zusammenarbeiten. Aus Uraufführungen wurden Ur-Sendungen. Viele der Aufnahmen wurden zudem als Video festgehalten und sind über den WDR Konzertplayer abrufbar. Auch wenn das ein atmosphärisches Live-Festival natürlich nicht ersetzen kann, konnte auf diese Weise der jüngste Output der Neuen-Musik-Szene seinem neugierigen Publikum präsentiert werden. In diesem Jahr unter anderem mit Alberto Posadas, Brigitta Muntendorf, Elena Rykova und Gordon Kampe. Und mediale Inszenierung, das ist ja ohnehin ein Thema, so auch in Muntendorfs „Theater des Nachhalls“, in dem das Pianoduo GrauSchumacher zur Installation wird. Am Mut zum Experiment fehlt es hier sicher nicht.

(Fotos: WDR)




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