Interessant: Wir wussten gar nicht, dass Bizet sein berühmtes „Perlenfischer“-Duett auch in einer Bariton-Bass-Fassung veröffentlich hat. Eigentlich sind hier ja – angeblich zum ersten Mal in der CD-Geschichte – Tenor-Bass-Duette angekündigt. Aber Rolando Villazón singt inzwischen mit ziemlich glanzloser Höhe. Und der solide, immerhin ganz gut aussehende Russe Ildar Abdrazakov ist eigentliche eher ein dunkler Bass-Bariton und wobbelt am Stimmgrund gemütlich vor sich hin. So hören sich die ceylonesischen Preziosentaucher wie eine Stufe tiefergelegt an. Singt Abdrazakov dann freilich gleich als nächstes den Boito-Mefistofele (und pfeift ihn auch), eine echte Basspartie, dann klingt er nach Diät und Magerquark, muss untenherum drücken zudem. Da stellt sich Sinn und Zweck dieser CD schon nach dem zweiten, auf Goethe zurückgehenden Stück quasi als Gretchenfrage. Villazón, der mit diesem Duett-Album zugleich auch seine Fans bedienen kann, grub dafür in vergleichsweise unbekanntem Terrain, wohl auch, damit sich der Star nicht zu vielen Vergleichen als Tenor aussetzen muss. Im Studio kann man manches noch begradigen, aber die beiden sollen das Repertoire anschließend auch sieben Mal live auf Europatournee im November und Dezember singen. Zu den lukrativen Terminen liefert das Album sozusagen die digitale Klangbeilage. Die bietet Buffo-Buntes von Donizetti, wo Villazón selbst als „Don Pasquale“-Ernesto schön gequält klingt, einen Schnipsel aus Verdis „Simon Boccanegra“, und etwas Gounod-„Faust“ und „Carmen“. Dazu extra arrangierte Lollipops wie „Granada“ oder „Ochi chernye“, von Yannick Nézet-Séguin und seinem ehemaligen Kinderklangkörper Orchestre Métropolitain de Montréal kostengünstig gespielt. Wer es mag? Die Musikwelt braucht es aber nicht wirklich.

Matthias Siehler, 14.10.2017



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