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Claude Debussy, Maurice Ravel, Gabriel Fauré, Henric Duparc, Fazıl Say

Secrets (Lieder)

Marianne Crebassa, Fazıl Say

Erato/Warner 019295768973
(70 Min., 2016)

Oh, Boy! Schon die gleichnamige erste Solo-CD der im altmodischsten Sinn bezaubernden Mezzosopranistin Marianne Crebassa war ein künstlerischer Volltreffer, und wie es sich für diese schon in jungen Jahren so vielseitige Künstlerin gehört, hat sie nach der Hosenrollen-Arien-Auswahl nun eine Scheibe mit französischen Mélodies folgen lassen. Nicht ganz – am Ende dieser köstlichen „Secrets“ folgt als ein fast verstecktes letztes Geheimnis auch aktuelles, sogar politisches, von ihr uraufgeführtes Liedgut: Fazıl Says in orientalische Melismen gehüllter, wortloser, aber trotzdem stellenweise wütend klagender Gesang „Gezi Park 3“. Der Titel sagt alles, das jetzt donnernde Klavier noch mehr. Fazıl Say sitzt hier, wie bei den anderen Werken auch, als symbiotisch-sensitiver Partner an den Tasten und hüllt Crebassas lockende Töne in ähnlich verführerisches Piano-Parfüm. Es sind durchwegs die französischen Liedklassiker der impressionistisch umflorten Jahrhundertwende, denen sich Crebassa hier im Vergleich stellt: drei Verlaine-Vertonungen Debussys und seine drei „Chansons de Bilitis“; von Ravel gibt es in der puristischen Piano-Fassung „Shéhérazade“ und die „Vokalise en forme de Habanera“, von Gabriel Fauré hat sie die vier „Mirages“ ausgewählt, dazu ein Titel-Quartett von Henri Duparc. Leicht und flirrend singt sie das, spontan, doch sehr bewusst den Text ausdeutend. Musik im Zwielicht, lockend, flatterhaft, fein mattiert. In dezent erotischen Schattierungen mehr versprechend und sich so das letzte Geheimnis wahrend. Man hört aufmerksam zu und genießt zugleich sinnlich.

Matthias Siehler, 16.12.2017



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