Das brüderliche Blasduell steht gegenwärtig 4:2. Zwar hat Daniel Ottensamer, Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, eben seine zweite CD bei Sony herausgebracht, aber sein extrovertierter, drei Jahre jüngerer Bruder Andreas, in gleicher Position bei den Berliner Philharmonikern, hat gleichzeitig schon seine vierte Soloscheibe bei der Deutschen Grammophon veröffentlicht. Hat Daniel O. zunächst seine musikalische Heimat mit dem Album „Vienna“ klangdingfest gemacht, so folgt nun drei Jahre später ein Ausflug an die Seine. Und das Motto „La vie en rose“ macht schon deutlich, dass es auch unterhaltend zugeht. Wobei die „klassischen“ Beiträge durchaus den Esprit von Salon und Tingeltangel atmen, Anfang des 20. Jahrhunderts wollte man sich in der Stadt der Impressionisten und der Gruppe Les Six genremäßig nicht so festlegen – was sich hier auch noch weiter manifestiert durch die so originellen wie tontauglichen Arrangements von Stephan Koncz. Der ist im Hauptberuf eigentlich Cellist der Berliner Philharmoniker, fungiert diesmal aber zudem als vitale Impulse setzender, atmosphärisch feinfühliger Dirigent der Münchner Symphoniker. Daniel Ottensamer brilliert mit versonnen schattiertem Ton im quecksilbrigen Klarinettenkonzert von Jean Françaix, lässt Debussys erste Rhapsodie leicht exotisch pendeln und perlen. Er kann auch die jazzig-aggressive Attitüde in Milhauds „Scaramouche“-Suite. Koncz spielt Cello mit bei zwei Saint-Saëns-Bonbons, dem verdoppelten „Schwan“ sowie einer Tarantella, und mit zwei Edith-Piaf-Titeln kommt noch ein wenig Chanson-Sentiment auf. Très élégant!

Matthias Siehler, 09.02.2019



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