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Karl Weigl, Richard Strauss, Johannes Brahms, Hugo Wolf, Franz Schubert u.a.

„Dimensionen – Innenwelt“

Marlis Petersen, Stephan Matthias Lademann

Solo Musica/Sony SM316
(65 Min., 7/2019)

Kairos, so heißt im Griechischen der „glückliche Moment“. Den kann man nicht erzwingen. Der ereignet sich einfach. Aber man kann – etwa als Sängerin – auch was dafür tun. Man ist fleißig und neugierig. Man überfordert sich nicht, geht aber furchtlos Risiken ein. Man ist intelligent und mit einem unverwechselbaren Timbre beschenkt. Das alles trifft auf die Sopranistin Marlis Petersen zu. Die ist völlig unbeeindruckt vom Agenturgeschiebe und Plattenfirmengedruckse ihren Weg gegangen. Und das äußerst erfolgreich. Jetzt erntet sie – vor allem unter Kirill Petrenko, der sie in München und Berlin, an der Bayerischen Staatsoper und bei den Philharmonikern zu seiner zentralen Sängerin erkor. Und Kairos ist es eben jetzt, dass Marlis Petersen mit „Innenwelt“ justament ein dreiteiliges Herzensprojekt unter dem Reihentitel „Dimensionen“ abschließt. Ein wenig esoterisch, von Nixen und Elfen umflattert, nach neuen Dimensionen des Daseins und der Gefühle Ausschau haltend. Aber auch neue Repertoireecken erkundend.
Bekannte Komponisten und Werke hat Petersen auf dem verschlungenen Interpretationsweg ihrer Schau in die Seele, in den Körper und in das, was die Welt zusammenhält, versammelt – Strauss, Brahms, Wolf, Schubert, Liszt, Wagner. Es gibt eine Franzosenecke mit Fauré, Reynaldo Hahn, Duparc. Und es finden sich heute (so gut wie) Unbekannte: Karl Weigl, Hans Sommer, Richard Rössler, Robert Fürstenthal. Allen aber lassen die Petersen und ihr feinfühliger Klavierbegleiter Stephan Matthias Lademann die gleiche, hochmögende Behandlung zukommen. Die ist zartfühlend und feinlasiert, von silbrig schimmerndem Schmelz und stets wacher Textexegese gekennzeichnet. Ein Lied-Trip in vier Kapiteln. Sehr Petersen. Sehr schön.

Matthias Siehler, 19.10.2019



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