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N° 1253
14. - 20.05.2022

nächste Aktualisierung
am 21.05.2022



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Richard Strauss

Enoch Arden

Bruno Ganz, Kirill Gerstein

Myrios/hm MYR025
(56 Min., 8/2016)

Er bewegt sich in guter Gesellschaft. Immerhin haben Dietrich Fischer-Dieskau, Brigitte Fassbaender, Jon Vickers, Michael York und Star-Trek-Captain Patrick Stewart den Vokalpart des Melodrams „Enoch Arden“ von Richard Strauss eingesprochen. Und nun, als seine letzte Veröffentlichung, Bruno Ganz. 2016 geschah das in Berlin, im Februar 2019 ist der Schweizer als bedeutendster Schauspieler deutscher Zunge vielbetrauert verstorben. In der dramatischen Ballade von Alfred Tennyson, die 1864 veröffentlicht wurde, kann man diese altersknarzige, aber immer noch charakteristisch vitale, fesselnde und vielgestaltige Stimme noch einmal hörend genießen. Dieses Melodram, ein Text der großen Gefühle mit verstärkender Klavierbegleitung, es war so etwas wie ein Blockbuster der Jahrhundertwende, kurz vor der Erfindung des Kinos. Der wirkungsbewusste Schauspieler und Intendant Ernst von Possart, dem Strauss einiges verdankte, hatte es bei dem durchaus willigen Tonsetzer bestellt, der die knapp kommentierende, Stimmungen verstärkende, mit Vor- und Nachspielen sich vorwiegend auf Anfang und Ende der zwölf Teile beschränkende Instrumentaluntermalung 1897 so nebenbei komponierte. Hier spielt sie, zurückhaltend, doch sehr präsent und minimalistisch einfärbend, der versatile Kirill Gerstein, der auch Ganz vor das Mikrofon lockte. Später gingen Strauss und von Possart sogar gemeinsam auf Tournee. Doch die Geschichte vom Fischer Enoch, der nach einem Sturm auf einer Insel strandet, für tot gehalten wird und erst zehn Jahre später zurückkehrt, um seine Frau im Arm und mit dem Kind eines anderen zu sehen, wurde bald altmodisch, das Melodram vergessen. Während Enoch Arden sich nicht zu erkennen gibt und das neue Glück der anderen nicht stören will, lebte das Motiv in Hollywood fort – mehrfach verfilmt, mal mit Cary Grant, mal mit Doris Day. So gibt es also eine direkte Verbindung von Strauss zur „Eisernen Jungfrau“ – wer hätte das gedacht?

Matthias Siehler, 18.04.2020



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