Hut ab, die kleine Firma Rondeau hat den Mut, gemeinsam mit der Musikalischen Komödie Leipzig in den Operettenarchiven zu wühlen. Wieder ist sie bei Erich Wolfgang Korngold fündig geworden. Der hat eben nicht nur, als es mit den Opernerfolgen weniger wurde, in den Zwanzigerjahren Johann-Strauß-Operetten mehr oder weniger stark bearbeitet, sondern auch die letzte, unvollendete Leo-Fall-Operette finalisiert wie zeitgeistig optimiert: die 1929 in Wien uraufgeführten „Rosen aus Florida“. Diese teuren Blumen sollen einem megareichen Amerikaner, der eigentlich gar nicht heiraten will, von seiner zukünftigen Gattin überreicht werden. Nach Verwicklungen, Zurückweisungen und sogar einer Adoption landen Rosen wie Damen endlich in den Armen von Goliath Armstrong. Die stachlige Schöne hingegen, das ist eine verarmte, aber stolze russische Prinzessin namens Irina. Der Sekretär kassiert die mannstolle Dorrit, die ebenfalls auf den Krösus scharf war. Und sogar der russische Großfürst, der mangels Money seine Arbeitgeber als „schlechtester Koch der Wählt magenquält“, freut sich. Das ist alles ein wenig behäbig erzählt, die Plotlinie dünkt sehr bekannt, aber dank quakender Saxofone und ein wenig Banjo-Schwung zu Korngolds Geigengeglitzer macht das Laune. Leipzigs Komödienchef strafft sprechend die Handlung, Lilli Wünscher hat viel russisches Soprantremolo als Irina, aber Adam Sanchez ist ein tenorfescher Goliath, und auch das Buffo-Trio ist mit Desirée Brodka, Andreas Rainer und dem scheußliche Eier köchelnden Milko Milev rollendeckend besetzt. Stefan Klingele holt viele schöne Farben aus Orchester und Chor, sodass auch Floridas Rosen erblühen – und nicht nur die in Malaga oder Tirol.

Matthias Siehler, 20.06.2020



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