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Franz Schubert

Sinfonien Nr. 2 & 3

B’Rock Orchestra, René Jacobs

Pentatone/Naxos PTC5186759
(55 Min., 7/2019, 2/2020) SACD

Es rockt. Nicht nur weil René Jacobs wieder mal vor das immer noch junge belgische B’Rock Orchestra getreten ist, auf das er schon länger große Klangstücke hält. Lediglich sieben erste Geigen spielen auch in der minimalistisch ruppig tönenden zweiten Folge seiner Gesamteinspielung der Sinfonien Franz Schuberts. Und man hört, Beethovens Welt hat den dirigierenden Belgier in den letzten Monaten intensiv beschäftigt, in jedem kantigen Übergang und jeder furchtlosen Steigerung eine große, temperamentsstarke sinfonische Pranke, die direkt von Ludwig van zu kommen scheint. Hier wird nichts klassizistisch vertändelt, Jacobs, das machen auch seine intensiv bohrenden Einführungstexte deutlich, geht es ums Schubert-Ganze, um das Ausreizen von Kontrasten, eine Fülle von Stimmungen. Der Schwammerl Franzl nicht als kleiner Großform-Austester, sondern einer, der bereits in seiner als Paar gedachten 2. und 3. Sinfonie so viel mehr wollte, als in seiner bescheidenen, übergangenen Komponistenexistenz möglich schien, der ja vor allem seine orchestralen Werke nur allzu selten zu Lebzeiten überhaupt hören durfte. Die B-Dur-Sinfonie wurde offiziell erst 1877 in London uraufgeführt, das 1815 unmittelbar danach komponierte D-Dur-Opus wohl zeitnah von einem Liebhaberorchester. Kurvig und schneidig geht es hier zu, Akkorde werden gerammt, nicht sanft ausgebreitet. Und trotzdem lässt sich Jacobs etwa im Largo-Vivace der 2. Sinfonie, mit 614 Takten nur noch vom ersten Satz der Großen C-Dur-Sinfonie übertroffen, viel Zeit für ein Aufblühen der Melodien. Auch die Repetitionen des musikalischen Materials erscheinen in variantenreicher Kreativität. Da schimmert noch Mozart durch. Und trotzdem muss es heißen: Roll over Schubert!

Matthias Siehler, 26.09.2020



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