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Pēteris Vasks

Viatore, Distant Light, Voices

Stanko Madić, Münchner Rundfunkorchester, Ivan Repušić

BR Klassik/Naxos 900334
(71 Min., 9/2020)

Eine der ersten CD-Einspielungen unter pandemischen Hygienevorschriften und Abstandsbedingungen. Das Münchner Rundfunkorchester, oder besser seine Streicher, haben sich im Juni im Aufnahmestudio des Bayerischen Rundfunks unter ihrem agilen Chef Ivan Repušić gleich drei hierfür passende Werke des 1946 geborenen Letten Pēteris Vasks ausgesucht, der nicht nur im Baltikum Kultstatus genießt. In seiner oft minimalistisch geprägten, auch auf Arvo Pärts Stilvorbild einer neuen Einfachheit fußenden Musik lässt der als Geiger wie Kontrabassist ausgebildete gläubige Pfarrerssohn gleichwohl Varianz und Gefühl zu. Pärt kann man schon in der sich leuchtend auffächernden Klangamplitude der mit zwei Themen operierenden Studie für elf Solostreicher „Viatore“ hören. Sie setzt mit ihrem unterschwelligen archaisch-emotionalen, aus der lokalen Folklore gespeisten Tonfall durchaus die Spur auch für die anderen Stücke. Obwohl das 1997 entstandene Konzert für Violine und Streichorchester „Tālā gaisma“ („Fernes Licht“) auch nervös atonale Cluster enthält. Mit schwebenden Flageolett-Tönen und souveränem Bogenstrich spielt es Konzertmeister Stanko Madić in gelassener Ruhe und sehnsuchtsvoll-sehrender Intensität. Vasksʼ Musik, sein tastender Tonfall atmet nicht selten die Weite, die horizontal sich ausbreitende Ära der nordischen Küste. „Balis“– „Stimmen“ hat der Komponist seine 1. Sinfonie von 1991 überschrieben, die sich ebenfalls nur auf die Streicher beschränkt. Auch hier kann man in der schwebend-flirrenden Atmosphäre der aus der Stille tönenden Saiteninstrumente so etwas wie einen gefassten Glauben dingfest machen. Eine CD des intensiven, konzentrieren Hörens. Sicher genau richtig für eine gegenwärtig eher nach Innen gerichtete Zeit.

Matthias Siehler, 02.01.2021



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