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Johannes Brahms

Sinfonie Nr. 1, Tragische Ouvertüre

Gewandhausorchester Leipzig, Herbert Blomstedt

Pentatone/Naxos PTC 518850
(64 Min., 9 & 10/2019)

Gar nicht trotzig-monumental, aber auch nicht abgeklärt altersmilde geht es zu auf einer Neueinspielung der 1. Sinfonie c-Moll von Johannes Brahms. Muss das sein? Schon wieder! So mag zunächst die Abwehrhaltung des geübten Plattenhörers lauten. Ja, ja! muss hier aber ebenfalls die überzeugte Antwort heißen. Denn hier legt der inzwischen 93-jährige und selbst im Corona-Sommer und danach vielgebuchte Herbert Blomstedt als lustvoll agierender Nestor seiner Branche den Auftakt für seinen ersten Gesamtzyklus auf CD hin. Die bereits im Herbst 2019 für Pentatone eingespielte Komplettaufnahme, deren erstes Ergebnis nun physisch vorliegt, ist zudem weiteres Zeugnis einer besonderen, immer noch blühenden Partnerschaft: der zwischen dem in Amerika geborenen Schweden und dem ostdeutschen Traditionsklangkörper Gewandhausorchester Leipzig. Die beiden kennen sich gut, sieben Jahre lang, bis 2005 hatte Blomstedt das Orchester zu neuer Größe geführt.
Tiefe Verbundenheit, die hören wir etwa aus dem herrlich klingenden, in weiträumiger Ruhe genommenen 2. Satz. Plastisch modelliert Blomstedt die dreiteilige Liedform heraus, besondere Aufmerksamkeit schenkt er den Verblendungen der Übergänge. Aber alles bleibt organisch im Fluss, bis es gelassen in E-Dur mit dem Konzertmeistersolo zart schwebend ausklingt. „Licht in die Seele der Menschen bringen“, das möchte Blomstedt ganz im Sinne Robert Schumanns. Die Musiker haben viel Raum zu atmen. Man spürt, wie hier die transparente Tonfülle von allen verantwortlich weitergetragen wird, Ergebnis langjähriger Vertrautheit, gemeinsam wissender Harmonie. Diese erste CD im neuen Zyklus ergänzt zudem eine wuchtig genommene Interpretation der Tragischen Ouvertüre.

Matthias Siehler, 09.01.2021



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