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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Johann Sebastian Bach

Das Wohltemperierte Klavier (Auszüge)

Piotr Anderszewski

Warner
(78 Min., 12/2019, 8/2020)

Unsere Zeit neigt zum Zyklischen. Das hat aber einen sanften Konformisten wie den polnisch-französischen Pianisten Piotr Anderszewski noch nie gekümmert. Und dankenswerterweise hält Warner an diesem klugen, gerne etwas widersinnigen Künstlerkopf fest, der seltene, aber dann meist starke Alben veröffentlicht. Auch wenn die so scheinbar unspektakulär daherkommen wie seine jüngste CD. Die heißt einfach nur „Bach: Das Wohltemperierte Klavier“. Eine einzige Scheibe, wohlgemerkt. Das ist genau ein Viertel der 48 Präludien und Fugen. Die Anderszewski aber ganz bewusst nicht als Zyklus begreift, er hat sich einfach sein eigenes Buch mit genau zwölf Stücken zusammengestellt, alle aus dem zweiten Teil. Die ganz bewusst die chromatische Tonartenfolge negieren. Und trotzdem ist seine Zusammenstellung „wohltemperiert“, wenn jetzt auf die Nummer 1 die Nummer 12 folgt, auf C-Dur f-Moll antwortet. Da stoßen durchaus harmonische Klangwelten aufeinander, anderseits hört man viel aufmerksamer hin. Auch weil Piotr Anderszewski hier ganz besonders bei sich ist. Kristallklar, aber nicht scharf ist sein Ansatz, fein gestaffelt wirkt sein Rhythmus. Geradlinig und doch überraschend geht er vor, rückt er Tempi, immer ist sein Spiel durchsichtig, streng, aber nicht hart. Da folgt einer ganz unbedingt seiner Agenda, lädt aber generös zum Mithören, Mitverstehen ein. Eine Bachreise in eigentlich bekanntes Terrain, die er aufregend offen dramatisiert, vorgetragen von einem der großen Anti-Zykliker unsere Klavierzeit. Der energetisch verdichtet abstrakten Noten eine besondere physische Realität gibt – durch und mit dem reinen Klang. Der bei ihm immer Kommunikation mit einem Quäntchen Spirituelles ist. Was Bach einmal mehr sehr gut steht.

Matthias Siehler, 30.01.2021



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