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Johann Sebastian Bach

Die Sonaten und Partiten für Violine solo

Augustin Hadelich

PLG/Warner 9029504874
(131 Min., 4, 7 & 8/2020) 2 CDs

Es gibt sicher weniger angenehme Möglichkeiten, den Pandemie-Lockdown zu durchstehen. Wie so viele andere Geiger wohl auch hat sich der deutsch-amerikanische, in Italien aufgewachsene, in New York lebende Violinist Augustin Hadelich Anfang 2020 wieder mal die sechs Solosonaten und -Partiten von Johan Sebastian Bach aufs Notenpult gelegt. Und sie dann zwischen April und August in drei Sessions in Boston aufgenommen. Das Ergebnis begeistert rundweg. Weil hier ein Geiger zwar erstmals für sich einen Barockbogen nutzt, aber keine Scheu vor romantischen Effekten hat. Hadelich spielt mit einem großen, doch konzentrierten, melodisch zarten, dabei grandios schönen Ton, wie man ihn seit den frühen Jahren von Maxim Vengerov nicht mehr gehört hat. Man soll sich allerdings von dem verhaltenen, intonationssauberen doch innig sinnigen Adagio-Anfang der 1. Sonate nicht täuschen lassen. Auf seiner „Guaneri del Gesù“-Geige, die einst Henryk Szeryng gehörte, legt Hadelich durchaus ordentlich los, entfesselt ein Technik-Feuerwerk, das freilich intensiv-verhalten glüht, nie Selbstzweck ist und immer das große Ganze dieser Klang gewordenen, ungemein transparent aufgehellten Architektur vor sich hat. Bisweilen fragend, ja schüchtern ist sein Ansatz, er will den Notentext ohne Selbstgewissheit erkunden, mag es flüssig und trotzdem deutlich gegliedert. Das klingt wirklich keusch und unschuldig, ist aber dabei stets souverän und ungemein raffiniert artikuliert. Je intensiver man diese Stücke kennt, desto mehr Spaß macht Augustin Hadelichs individuelle, frische, mutige, aber nicht mutwillige Erkundung, die im weiteren Verlauf ihrer zwei Spielstunden zu einer hinreißenden Aneignung gerät.

Matthias Siehler, 15.05.2021



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