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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Georg Friedrich Händel

Hercules

William Shimell, Joyce DiDonato, Toby Spence, Malena Ernman, Les Arts Florissants, William Christie

Bel Air/harmonia mundi BAC013
(190 Min., 12/2004) 2 DVDs

Herkules ist in die Jahre gekommen. Nicht der jugendliche Kraftprotz stand im Mittelpunkt des Oratoriums, das Händel im Januar 1745 seinem Londoner Publikum präsentierte, sondern der gealterte Recke, der sich gerade eine junge Prinzessin erobert hat und mit der Eifersucht seiner Gattin Dejanira kämpfen muss. Ein Familiendrama, das wie eine griechische Tragödie in Tod und Wahnsinn endet, und Luc Bondy lässt im Pariser Palais Garnier diese antike Strenge und Ausweglosigkeit von Anfang an spürbar werden. Eine karge Betonwand umrahmt das Geschehen, ein umgestürzter Torso liegt im Sand, kein barocker Putz lenkt von den fünf schlicht gekleideten Personen ab, die hier dem Schicksal preisgegeben sind. Auf grandiose Weise nutzt Bondy die Freiräume, die der eigentlich fürs Konzertpodium geschaffene Stoff für die Bühne lässt. Bei den Da-Capo-Arien zeigt er immer wieder die Adressaten dieser Affekte: Wenn etwa die erbeutete Prinzessin Iole zu Beginn des zweiten Aktes über ihre Situation reflektiert, führt er zugleich vor, was ihre Arie sowohl bei der eifersüchtigen Dejanira, als auch bei Herkules und seinem ebenfalls in Iole verliebten Sohn Hyllus auslöst. Die Meisterschaft, mit der Händel in jeder Arie die Spannungsschraube ein Stück anzieht, wird hier auf faszinierende Weise deutlich. Auch weil die Kamera nicht bloß die Bühne abfilmt, sondern diese Entwicklung nachvollzieht: Zu Beginn noch im Close-up verharrend, öffnet sie allmählich den Raum und reflektiert in Dejaniras Wahnsinnsszene "Where shall I fly" die verlorene Stabilität dieser Frau. Großes Theater mit großen Sängerdarstellern: William Shimell gibt der Titelrolle einen gereiften Sexappeal, Toby Spence hat als Hyllus den unschuldigen Charme des netten Jungen von nebenan, und Joyce DiDonato vollzieht auf großartige Weise die Wandlung von der Hausfrau zur Furie. Und William Christies zielbewusst agiles Dirigat sorgt dafür, dass die Produktion auch als CD Anspruch auf einen Spitzenplatz hätte.

Jörg Königsdorf, 25.03.2006



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