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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



Wie klingt wohl die „kleine Phrase von Vinteuil“, die Charles Swann immer wieder an Odette erinnert, selbst als es mit der Liebe längst vorbei ist? Das neue Album der französischen Pianistin Shani Diluka ist Seelenfutter für all diejenigen, die Marcel Prousts Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ verfallen sind. Über die realen Vorbilder für den fiktiven Komponisten Vinteuil ist viel gerätselt worden. Der Autor selbst wollte das Geheimnis nicht lüften. Auf Dilukas „Proust Album“ setzt sich seine Sonate aus Stücken von Reynaldo Hahn, Eugène Ysaÿe und zusammen. Die Pianistin spielt hier im Duo mit dem Geiger Pierre Fouchenneret. Sehnsuchtsvoll und melancholisch erklingt Hahns Nocturne Es-Dur. Ysaÿes Mazurka op. 10/I lädt dagegen zu einem ausgelassenen Tanz ein. Leidenschaftlich-beschwingt geht es mit Chaminades „Sérénade espagnole“ weiter. Auf dem Album sind höchst unterschiedliche Komponisten vereint, die Proust fasziniert und inspiriert haben. Beim Klavierkonzert E-Dur seines Freundes Hahn wird Diluka vom Orchestre de chambre de Paris unter Hervé Niquet begleitet. Gefühlvoll interpretiert die Sopranistin Natalie Dessay Gabriel Faurés Lieder „Au bord de l’eau“ und „Le Secret“ – letzteres erwähnt Proust explizit in seinem Roman. Mit übermütig perlenden Arabesken beginnt Claude Debussys Klavierstück „L’Isle joyeuse“, zu dem ihn vermutlich Antoine Watteaus Gemälde „Einschiffung nach Kythera“ anregte. Der von Proust bewunderte Richard Wagner ist mit der Elegie As-Dur vertreten. Eine besondere Trouvaille ist ein erstmals auf Album veröffentlichtes graziöses Nocturne von Richard Strauss, das zufällig auf einem Berliner Markt entdeckt wurde.

Corina Kolbe, 20.11.2021



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