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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



Der erste Eindruck: Unwillen. Schon wieder so eine Sopran-Album-Visitenkarte als Tutti-Frutti-Mix aus Verdi, Mozart, Puccini etc. Lauter in ihrer Ausschnitthaftigkeit gleichschmeckende Pflaumenstücke des Arienrepertoires, dargeboten von einer fleißigen Amerikanerin, die nun als „Rachel“ lieblich fotoshopgesoftet in das Bookletkameraobjektiv blickt. Dazu ein italienisches Billigorchester und ein Repertoireroutinier am Pult.
Doch so schlimm ist es gar nicht. Im Gegenteil: Rachel Willis-Sørensen, 1984 geborene Amerikanerin mit dänischem Ehemann, die gerne von ihrer Agentur als Begleitstimme von deren Star Jonas Kaufmann dem Betrieb offeriert wird, hat sich zwar noch nicht wirklich ein eigenes Rollenprofil erarbeiten können. Zwischen französischem Repertoire und viel Mozart (in ihrer Dresdner Zeit 2012-15) schlingert das mit ein wenig Italienischem so dahin, die Stimme selbst würde eigentlich zu lyrischem Wagner tendieren. Denn da ist mehr Fülle und Metall als etwa bei Renée Fleming auf deren Weg sie sich mit diesem Debüt-Album bis hin zur Rusalka bewegt. Sei es drum. Die Einspielung offenbart freilich vom ersten Ton an doch besondere Qualitäten: Beteiligtsein, Fülle, Frische, Leichtigkeit in der Höhe, eine live selten so bei Willis-Sørensen gehörte Cremigkeit. Die Traviata-Verzierungen bewältigt sie fast stupend, die Donna Anna-Arien sing sie mit schön dramatischem Furor. Etwas brav leidend gerät ihr die Desdemona-Szene. Und mit herrlichem Überschwang singt der neuerlich aufgebotene Kaufmann das „Bohème“-Duett, obwohl sich beide nie im Studio begegnet sind. Da ist wirklich mehr Wohllaut als erwartet, mehr spezifisch animiertes Talent, auch in der genuesischen Instrumentalbegleitung unter Frédéric Chaslin. Jetzt warten wir aber ganz entschieden auf ihre Eva, Elsa, Elisabeth und Sieglinde, auf viel Strauss, auch die hier schon angeteaserte „Trovatore“-Leonora darf kommen.

Matthias Siehler, 11.06.2022



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