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Johann Sebastian Bach, Pierre Boulez

Klavierwerke

David Fray

Virgin classics 385787 2
(67 Min., 6/2005) 1 CD

Wenn ein Pianist die Allemande aus Bachs vierter Partita auf über elfeinhalb Minuten dehnt, zeugt das von gehörigem Selbstbewusstsein. Und wenn es ihm dann auch noch gelingt, den Spannungsbogen des Tanzsatzes auch bei diesem langsamen Tempo zu bewahren und ihm eine ganz eigene Atmosphäre innerer Ruhe zu verleihen, dann scheint er auch die Interpretenpersönlichkeit zu besitzen, die soviel Selbstbewusstsein rechtfertigt. David Fray heißt dieser neue Stern am französischen Pianistenhimmel, und seine Eigenwilligkeit spricht schon aus dem Programm seiner Debüt-CD. Bachs Partita und die erste französische Suite, gekreuzt mit Boulez’ Notations – daraus kann man das Versprechen eines modernen oder auch zeitlosen Bachspiels lesen. Doch leider wird das nur bedingt gehalten: Obwohl Fray für Bach einen hoch kultivierten Anschlag und makelloses jeu perlé nach bester französischer Manier mitbringt, kann er mit den schnelleren Sätzen wenig anfangen. Statt geistvoller, swingender Agogik serviert Fray die Menuette und Giguen nur mit funktionierender Geläufigkeit und Transparenz, ohne jedoch andererseits ihre inhärente Mechanik mit rasiermesserscharfer Diktion zum ästhetischen Eigenwert zu veredeln. Nach Boulez’ origineller, hier mit mehr Kultur als Biss gespielter Klanggestenkollektion klingt dann die erste französische Suite bei Fray sogar erstaunlich matt und verdickt im Ton, als habe der junge Mann sich hier schon verausgabt. Schade, die Allemande hatte mehr versprochen.

Jörg Königsdorf, 11.08.2007



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