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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Anonymus

Messe de Tournai, St. Luke Passion

Tonus Peregrinus

Naxos 8.55 5861
(69 Min., 05/2001) 1 CD

Was musikwissenschaftliche Abhandlungen oder Lexikonartikel oft nur mit dürren Worten zu beschreiben vermögen, kann eine gute Aufnahme unmittelbar anschaulich machen: Das englische Vokal-Ensemble Tonus Peregrinus bietet auf der vorliegenden CD insgesamt überzeugende Versionen zweier musikgeschichtlicher Premieren, der 1862 in Tournai entdeckten "Messe de Tournai" und einer "St. Luke Passion"” aus der in Windsor gefundenen Handschrift Egerton 3307. Die Messe wurde wahrscheinlich in den 1340er Jahren aus verschiedenen anonymen Messsätzen einschließlich einem "Ite missa est" zusammengestellt und stellt geschichtlich betrachtet eine Vorstufe dar zu Guillaume de Machauts "Messe de Notre Dame", die das erste überlieferte Messordinarium aus der Hand eines einzelnen Komponisten ist. Stilistisch gesehen vereint die "Messe de Tournai" interessanterweise sehr unterschiedliche Stile von der Note-gegen-Note-Setzweise über den ausladenderen Conductus-Satz bis hin zur polytextuellen motettischen Anlage mit französischem weltlichen Liebeslied in der Oberstimme. Die "St. Luke Passion", entstanden wahrscheinlich im frühen 15. Jahrhundert, transportiert den entsprechenden Text des Evangelisten Lukas in gregorianischer Einstimmigkeit auf einem Rezitationston mit kadenzierenden Einschnitten. Außer dem Evangelisten tritt bemerkenswerterweise nur Christus solistisch hervor; neben den Einwürfen der Volksmenge und den Hohenpriestern sind auch die Worte von Petrus und Pilatus dreistimmig gesetzt.
Die Ausführung der beiden Werke durch das Ensemble Tonus Peregrinus kann als gut bis sehr gut bezeichnet werden. Besonders reizvoll hinsichtlich rhythmischer Präzision und Sauberkeit der Intonation gelang die klangliche Umsetzung der Messe; sie nimmt den Hörer stärker gefangen als die nicht ganz so homogen gesungene Passion, deren weitgehende Einstimmigkeit bei gleich bleibender Melodik zudem Interesse am lateinischen Text voraussetzt.

Michael Wersin, 01.12.1999



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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