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Motherland

Danilo Perez

Verve/Universal Jazz 543 540-2
(56 Min.) 1 CD

Als "Mutterland" fungiert hier ein Staat, von dem wir gerade noch wissen, dass er außer einer zwielichtigen Handelsflotte über einen strategisch wichtigen Kanal verfügt, dessen Eigentumsrechte er erst 1999 von den USA zurückerhielt: Panama. Die Übergabe des Kanals an Panama gilt es angemessen zu feiern, und wer könnte dazu berufener sein als Danilo Perez, der sich mit "Panamonk" als vorzüglicher Pianist auf der Szene etablierte und seit diesem Jahr offizieller Kulturbotschafter seines Landes ist.
Wie Horace Silver die Folklore der Kapverden und Sonny Rollins den Calypso von den Jungfrauen-Inseln in den Jazz einbrachte, so greift Danilo Perez auf die Klänge und Rhythmen Mittelamerikas zurück. Anders als die uns seit Jahrzehnten vertrauten Elemente der Musik Kubas und Brasiliens sind uns diese weitgehend neu, und Perez wird noch einige Anstrengungen unternehmen müssen, sie im Jazz einigermaßen zu etablieren.
Es wäre natürlich auch möglich, dass der leicht verwirrende Eindruck mehr von der Produktionsweise der CD herrührt als von den Kompositionen selber: Die Aufnahmen entstanden ohne feste Band, dafür mit siebzehn Musikern in wechselnden Kombinationen - darunter einigen, die sich bislang nicht gerade als Latin-Experten ausgewiesen haben: Brian Blade, Regina Carter, John Patitucci, Chris Potter ...
Der Produzent und Firmenchef Tommy LiPuma weiß vielleicht, wie er seine Schützlinge in die Hitparaden befördert, als Gewährsmann für die Sache des Jazz scheint er mir weniger geeignet. Unter Live-Bedingungen nämlich wären dieselben Stücke ein rauschender Erfolg geworden; so kann Perez immerhin Einfallsreichtum und der gute Wille bescheinigt werden, das musikalische Erbe seiner Heimat in die Welt hinauszutragen.

Mátyás Kiss, 05.10.2000



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