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Portrait Of Duke

Pietro Tonolo

Label Bleu/Efa 7 94881 61092 1
(59 Min., 5/1999) 1 CD

Unter die Gratulanten zum Hundertsten Duke Ellingtons reiht sich als Nachzügler ein italienischer Saxofonist ein, von dem man hier zu Lande noch kaum gehört hat: Pietro Tonolo. Das Konzert, auf dem diese CD basiert, fand allerdings pünktlich im Mai 1999 statt. Nach Vicenza waren auch einige Amerikaner gereist, die überregional das Hauptargument darstellten, sich diesen Tonolo einmal anzuhören: Steve Swallow und Paul Motian. Zudem stieß mit Gil Goldstein ein Pianist hinzu, der öfter mal zum Akkordeon greift: In der Kombination mit Tonolos klarinettistisch anmutenden Sopran- und Sopranino-Saxofonen ergibt das aparte Klangmischungen.
Wenn er sich aufs normale Register seines Tenorsaxofons beschränkt, bekommt Tonolos Musik sogleich eine männliche Selbstsicherheit und Erdung, nach der er hier offenbar nur streckenweise strebte: Gern weicht er in zart überblasene Falsett-Regionen aus, die weitaus schwieriger zu bändigen sind: Da wird es dann richtig abenteuerlich. Swallow und Motian, die sich kürzlich als Rhythmus-Gespann von Lee Konitz bewährten ("Three Guys"), folgen ihm darin mit Begeisterung: Sie rauen die musikalische Oberfläche nach Kräften auf, die selbst auf einer so schlackenlos geglückten Ellington-Hommage wie der von Harry Allen recht ungebrochen triumphiert. Immer noch erstaunt die Wandlung, die Motian seit seinen frühesten Einspielungen (um 1955 mit Bill Evans) durchgemacht hat: vom beinah anspruchlosen Timekeeping hin zu dessen Gegenteil, wo er sich überwiegend am Klang orientiert und alles Erdenkliche zwischen die Beats trommelt - als geriete er bei jedem Schlag für Millisekunden ins Grübeln, ob er nun zu früh dran ist oder doch schon zu spät kommt.
Dass das Quartett nach manch obskuren Ellington-Juwelen greift, erleichtert ihm das Gegen-den-Strich-Bürsten der Vorlagen: Die Erwartungen sind da weniger festgefügt, die Stücke liegen den Interpreten nicht so selbstverständlich unter den Fingern, dass die Nervenleitungen zwischen Hirn und Hand schon kurzgeschlossen wären. Und selbst "Solitude" wird als im Entstehen begriffenes Tongemälde über die Einsamkeit dargeboten: mit einem Hang zur Beziehungslosigkeit und Momenten ratlosen Nicht-mehr-weiter-Wissens.

Mátyás Kiss, 10.08.2000



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