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Ludwig van Beethoven

Streichquartette op. 18/3, op. 127

Petersen-Quartett

Capriccio/Delta 67007
(61 Min., 12/2001, 2/2002) 1 CD

Opus 127, dieses erste der scheu-verehrten Spätquartette Beethovens, war nach seiner Veröffentlichung 1825 ein enormer Erfolg. Ein Dutzend (!) Male wollte man das Stück hören. Man versteht das nicht recht, ist uns doch durch das sklerotische Spätwerk-Geklöppel vieler Aufnahmen die Meinung aufgedrängt worden, diese Quartette seien doch eher der Analyse zugedachte, klanglich eigenartig irreale Schöpfungen. Ein spitzer, fast aggressiver Ton durchzieht die Interpretationsgeschichte, als müsse die gelegentliche Bizarrie auseinandergezogener Klangräume mit der seltsam leeren Mitte gleichsam auf das ganze Werk ausgedehnt werden, müsse auch jene Episoden in sein kratziges Gewand hüllen, die ganz voll später Süße und Reife sind.
Das Petersen-Quartett scheint sich darauf zu besinnen und entlässt uns mit ganz anderen Eindrücken aus dem Werk. Ganz am Ende öffnet sich im gemütlich-derben Finale unverhofft ein Feld eigentümlich unwirklicher C-Dur-Entrückung, ein schwebender pp-Traum, aus dessen verschwimmenden Fernen man ganz sacht zum Es-Dur-Schluss erwacht. Bei den Petersens geschieht das mit einer gewichtslosen, linden Geschmeidigkeit, in der das Ensemble die ganze wiederentdeckte Spätwerk-Milde noch einmal zu bündeln scheint.
Sind uns zuvor nicht etliche dieser Augenblicke aufgefallen? Kann man das Scherzo anmutig verhuschter spielen? Gewiss, dem Maestoso-Beginn im Es-Dur, der Tonart fürs Monumental-Heroische mit seinen Schlägen enthalten die Petersens die Kraftgeste nicht vor, die ihm zusteht. Und doch gerät bereits dieser Prolog einen Hauch weicher, intimer als bei der Konkurrenz, als sollten wir ahnen, dass Beethoven "Sempre p e dolce" über das erste Thema dieses Satzes schreiben würde, ein paar Takte später. Ohne im geringsten weich, süßlich oder schlaff zu agieren - allenfalls ein wenig mildernder, mit gesenkter Stimme zuweilen -, gelingen dem Petersen-Quartett Spätwerk-Einblicke von bezaubernder Privatheit und Anmut.

Matthias Kornemann, 30.05.2002



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