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Live At Village Vanguard (The Art Of The Trio Vol. 2)

Brad Mehldau

WEA 9362-46848-2
(72 Min., 1997) 1 CD

Diese auf ihre Weise radikale Aufnahme müsste unter Jazzfreunden für eine Kontroverse sorgen - unberührt lassen wird sie jedenfalls niemanden. Von welcher CD kann man so etwas schon behaupten?
Bei Brad Mehldau, Larry Grenadier und Jorge Rossy handelt es sich um drei junge Weltklassemusiker, die zu einer selten gewordenen Form von Eintracht gefunden haben. Sie beschäftigten sich letztes Jahr bei einem Club-Engagement mit sechs Standards - jeweils etwa zwölf Minuten lang. Das Klavier kommt, wie es der realen Bühnenaufstellung wohl entspricht, von links, das Schlagzeug von rechts, der Bass gibt den beiden Dialogpartnern Rückendeckung.
Manchmal setzt die Begleitung ganz aus, und Mehldau scheint sich in immer dichtere, entferntere Harmonien zu verknäulen, bis er wider Erwarten doch noch nach Hause zurückfindet. Das ist für den aufmerksam Hörenden ebenso spannend wie anstrengend - allerdings fällt es dem Zuhörer in der Live-Situation leichter, sich auf so lange Improvisationsbögen zu konzentrieren.
Für den Hausgebrauch hingegen halte ich - bei aller Hochachtung für Mehldau - solche bis zum Zerreißen gedehnten Auslegungen altbekannten Repertoires, die zu ebenso ausschweifenden wie jazzfernen Selbsterkundungen geraten, für weniger geeignet. Das gilt vor allem für die kaum swingenden schnelleren Titel, die bei aller virtuosen Nervosität nicht so recht in Fahrt geraten. Am besten bewährt sich Mehldaus merkwürdiges Konzept noch in den beiden Balladen “Young and Foolish” und “Moon River”.
Vielleicht verhält sich aber auch alles ganz anders? Wie Sie schon ahnen, ist Ihre eigene Urteilskraft gefordert - diese Besprechung konnte nur einige vorsichtige Hinweise geben.

Mátyás Kiss, 28.02.1998



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