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Ludwig Senfl

Im Maien - Lieder und Consort Musik

Charles Daniels, Fretwork

harmonia mundi HMU 907334
(77 Min., 5/2003) 1 CD

Ludwig Senfl (ca. 1486 - ca. 1542 / 43) ist gewiss kein verkannter, aber wohl doch ein unterschätzter Komponist. Das jedenfalls ist die Lehre, die diese CD bereithält. Musikliebhaber, die bei Titeln wie "Im Maien" oder "Ach Elslein, liebes Elselein mein" vorsichtshalber die Mundwinkel verziehen, weil sie an treuherzig-biedere Darbietungen alten Volksgutes durch Gärtnergesangvereine oder Kirchenchöre denken, erleben Senfl hier deutlich anders. Zum einen wird hier nur maximal eine Stimme, nämlich die melodietragende Tenorstimme, vokal ausgeführt. Deutlich kann man nun die oft volkstümliche Vorlage ins Verhältnis setzen zu Senfls ganz unterschiedlichen Begleitungen. Die imitieren die Melodie mal äußert dicht, mal locker, aber bei aller Kunst immer vollkommen natürlich fließend. Das Gambenconsort Fretwork bedient sich für diese Stimmen eigens rekonstruierter Instrumente ohne Stimmstock, die mit ihrem hellen, ganz entfernt an die eindringliche Klarheit mittelalterlicher Drehleiern erinnernden Klang, Senfls Position zwischen ausgehendem Mittelalter und Reformationszeit zusätzlich begreifen helfen. Während man die Musiker von Fretwork bei den rein instrumentalen Stücken für die auf Dauer vielleicht einen Hauch zu raschen Tempi kritisieren könnte (sie pulsieren mehr als zu atmen), ist Charles Daniels Vortrag in jeder Hinsicht höchst überzeugend. Mit seiner halb instrumental empfundenen Vortragsart, die an eine mit Feinsinn geblasene historische Zugposaune erinnern mag, trifft er genau den Geist von Senfls Tenorstimmen. Diese wurzeln noch einesteils in dem vom Inhalt völlig abstrahierenden Cantus firmus, ohne den man sich im Mittelalter keine Kunstmusik vorstellen konnte. Auf der anderen Seite beachten Senfls Hauptstimme und die sie kommentierende Begleitung zu sehr Gehalt und natürlichen Sprachduktus, als dass sie vollkommen ohne Beachtung des Wortsinns vorgetragen werden könnten. Eine unerwartet tiefgreifende Begegnung mit einem vermeintlich alten Bekannten!

Carsten Niemann, 12.02.2005



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