home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Responsive image
Ludwig Senfl

Im Maien - Lieder und Consort Musik

Charles Daniels, Fretwork

harmonia mundi HMU 907334
(77 Min., 5/2003) 1 CD

Ludwig Senfl (ca. 1486 - ca. 1542 / 43) ist gewiss kein verkannter, aber wohl doch ein unterschätzter Komponist. Das jedenfalls ist die Lehre, die diese CD bereithält. Musikliebhaber, die bei Titeln wie "Im Maien" oder "Ach Elslein, liebes Elselein mein" vorsichtshalber die Mundwinkel verziehen, weil sie an treuherzig-biedere Darbietungen alten Volksgutes durch Gärtnergesangvereine oder Kirchenchöre denken, erleben Senfl hier deutlich anders. Zum einen wird hier nur maximal eine Stimme, nämlich die melodietragende Tenorstimme, vokal ausgeführt. Deutlich kann man nun die oft volkstümliche Vorlage ins Verhältnis setzen zu Senfls ganz unterschiedlichen Begleitungen. Die imitieren die Melodie mal äußert dicht, mal locker, aber bei aller Kunst immer vollkommen natürlich fließend. Das Gambenconsort Fretwork bedient sich für diese Stimmen eigens rekonstruierter Instrumente ohne Stimmstock, die mit ihrem hellen, ganz entfernt an die eindringliche Klarheit mittelalterlicher Drehleiern erinnernden Klang, Senfls Position zwischen ausgehendem Mittelalter und Reformationszeit zusätzlich begreifen helfen. Während man die Musiker von Fretwork bei den rein instrumentalen Stücken für die auf Dauer vielleicht einen Hauch zu raschen Tempi kritisieren könnte (sie pulsieren mehr als zu atmen), ist Charles Daniels Vortrag in jeder Hinsicht höchst überzeugend. Mit seiner halb instrumental empfundenen Vortragsart, die an eine mit Feinsinn geblasene historische Zugposaune erinnern mag, trifft er genau den Geist von Senfls Tenorstimmen. Diese wurzeln noch einesteils in dem vom Inhalt völlig abstrahierenden Cantus firmus, ohne den man sich im Mittelalter keine Kunstmusik vorstellen konnte. Auf der anderen Seite beachten Senfls Hauptstimme und die sie kommentierende Begleitung zu sehr Gehalt und natürlichen Sprachduktus, als dass sie vollkommen ohne Beachtung des Wortsinns vorgetragen werden könnten. Eine unerwartet tiefgreifende Begegnung mit einem vermeintlich alten Bekannten!

Carsten Niemann, 12.02.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top