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Ludwig van Beethoven

Klaviersonaten Nr. 4, 7, 23

Angela Hewitt

Hyperion SACDA 67518
(77 Min., 9/2005) 1 CD

Der Aufstieg der Angela Hewitt scheint unaufhaltsam zu sein: Das britische "Gramophone" feierte die Kanadierin auf seinem letzten Titel als "World’s piano cult figure", und ihre rapide anwachsende Diskografie zeigt, dass Hewitt daran arbeitet, sich vom Spezialistenetikett der Bachpianistin zu befreien. Dass der jahrelange Umgang mit Bachs Klavierwerk Hewitt geprägt hat, ist natürlich auch bei ihrer ersten Beethoveneinspielung deutlich hörbar: Ihr Beethoven ist immer polyphon gedacht, romantische Schicksalsdramatik, Spontaneität und Humor rangieren auf ihrer Prioritätenliste weit unten. Statt Spannung aufzubauen, indem sie die charakterlichen Gegensätze der Themen zuspitzt, setzt Hewitt auf Integration und Klarheit. Das kommt vor allem den frühen Sonaten entgegen: Den Prestokopfsatz von op. 10 Nr. 3 nimmt sie beispielsweise überraschend gemächlich, nutzt diesen Freiraum jedoch, um die Stimmen transparent werden zu lassen und in einen geistreichen Konversationszusammenhang zu stellen. Selbst bei der "Appassionata" treten bei Hewitt immer wieder Details hervor, die beim Stürmen und Drängen anderer Pianisten verschutt gehen – hier allerdings werden auch die Grenzen ihres Ansatzes am deutlichsten spürbar: Den großen Ton für die großen Leidenschaften besitzt Hewitt nur eingeschränkt – wo im langsamen Satz ein inniger Gesangston gefordert ist, bleibt sie lediglich korrekt und kontrolliert. Vielleicht kein großer Beethoven, aber einer, dem man zuhört.

Jörg Königsdorf, 09.03.2007



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