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Ludwig van Beethoven, Franz Schubert

Sinfonie Nr. 1, Sinfonie in C-Dur

Chicago Symphony Orchestra, Georg Solti

medici arts/Naxos 2072468
(97 Min., 1978, 1979) 1 DVD

In den Neunzigerjahren wurde er als größter lebender Dirigent verehrt, doch mit seinem Tod scheint sich der späte Ruhm Georg Soltis auffällig schnell verflüchtigt zu haben. Während Karajan und Bernstein wieder hoch im Kurs stehen, kräht derzeit kaum ein Hahn nach den Aufnahmen des 1912 geborenen Ungarn. Die Ende der Siebzigerjahre entstandenen Mitschnitte mit seinem Chicago Symphony Orchestra bestätigen auf ihre Weise dieses Urteil der Nachwelt: Sie zeigen Solti als präzisen Kapellmeister, der die Stücke mit sicherem Sinn für Balance und Kantabilität nach Hause schaukelt, jedoch kaum aufregende Erkenntnisse vermittelt.
Nicht größtmögliche Binnenspannung, sondern wohl geordnete Harmonie ist Soltis Prämisse für die Wiener Klassiker. Über die gepflegte Darbietung von Beethovens Erster 1978 in der Londoner Royal Albert Hall ist die Zeit einfach hinweggegangen – und auch ganz ohne das Bewusstsein historischer Aufführungspraxis hatte schon Karajan in diesem Stück in seinem ersten Zyklus mit den Berliner Philharmonikern ein Gutteil mehr zündenden Elan entdeckt. Auch bei Schubert wiegt sich Solti in K.u.K.-Nostalgie und Gemächlichkeit: Die kleine C-Dur-Sinfonie verfällt im zweiten Satz und im Finale in gemütlichen Trott und auch die Tragik der "Unvollendeten" erschöpft sich in einigen klangschönen Holzbläsersoli.

Jörg Königsdorf, 19.12.2008



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