Responsive image
Gioachino Rossini

L’Italiana in Algeri

Christianne Stotijn, Maxim Mironov, Marco Vinco, Arnold Schoenberg Chor, Mahler Chamber Orchestra, Riccardo Frizza

Bel Air/harmonia mundi BAC 025
(135 Min., 7/2006) 1 DVD

Während Wagnerianer beim Thema Sängernachwuchs nur noch resigniert abwinken, brauchen sich Rossinifans keine Zukunftssorgen zu machen: Für die Opern des Meisters aus Pesaro scheint es derzeit so viele gute junge Stimmen zu geben wie noch selten. Die Besetzung der 2006 beim Musikfestival in Aix-en-Provence aufgezeichneten "Italiana" ist da ein gutes Beispiel: Alle vier Hauptdarsteller waren zum Zeitpunkt der Aufnahme noch unter 30, der jüngste, der russische Tenor Maxim Mironov, sogar erst knapp 25 Jahre alt. Und doch kann jeder der vier den Vergleich mit den großen Vorbildern des Fachs aushalten: Mironov ist als Lindoro die russische Antwort auf Juan Diego Flórez, Marco Vinco (Mustafa) und Giorgio Caoduro (Taddeo) bringen agile, klangschöne Koloraturstimmen und Buffotalent mit. Die Niederländerin Christianne Stotijn hat zwar nicht die spielerische Coolness ihrer mediterranen Kolleginnen, kann ihrer Isabella aber mit warmherzigem, üppigen Mezzosopran hohe Sympathiewerte sichern.
Eine Sängerriege, die Besseres verdient gehabt hätte als die Regie von Toni Servillo, die nicht viel mehr bietet als ein paar begrenzt ulkige Orientklischees und eine zappelige Personenführung. Dass sich der Spaß in Grenzen hält, liegt allerdings auch an Riccardo Frizza, der die Sänger und das todesmutige Mahler Chamber Orchestra durch die Strettas hetzt und hohe Metronomzahlen mit rhythmischem Schwung verwechselt. Aber vielleicht war er mit 35 einfach noch nicht alt genug für Rossini.

Jörg Königsdorf, 05.01.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Am seidenen Faden: Das hatte sich die kretische Königstochter sicher anders vorgestellt. Der schneidige Athener Prinz Theseus, mit dem sie von Zuhause ausgebüchst war, lässt sie auf der erstbesten der zahlreichen griechischen Inseln schlafend am Strand liegen und sticht in See. Dabei hatte sie ihm das Eheversprechen abgeluchst, bevor sie ihm im Gegenzug aus dem Labyrinth des Minotaurus heraushalf – mithilfe eines einfachen Fadens, den dieser beim Gang ins Innere abspulte und beim Weg zum […] mehr »


Top