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Benjamin Britten

Billy Budd

Nathan Gunn, Ian Bostridge, Gidon Saks, London Symphony Orchestra, Daniel Harding

Virgin Classics 519 039-2
(165 Min., 12/2007) 3 CDs

Brittens Billy Budd ist die Traumrolle für jeden Bariton: Ergreifender als der Matrose mit dem goldenen Herzen darf auf der Opernbühne kaum jemand sterben und der Strahlemann im Unglück hat in jedem Moment die Sympathien des Publikums sicher. Zuletzt machte der Amerikaner Nathan Gunn mit dieser Rolle sein Glück und sang den Billy auch in der gefeierten Inszenierung der Bayerischen Staatsoper. Offenbar spielten dabei auch die good looks eine Rolle, denn auf dem Mitschnitt, den Virgin jetzt aus der Londoner Barbican Hall herausbringt, klingt Gunn zwar solide, jedoch ohne besondere Ausstrahlung.
Das gilt leider für die ganze Aufnahme: Sie ist gut, aber die Konkurrenz ist leider besser. Vor allem die Einspielung, die der jüngst verstorbene Richard Hickox vor acht Jahren ebenfalls mit dem London Symphony Orchestra machte, ist – bei ganz ähnlicher Gesamtdisposition – der Neuaufnahme unter Daniel Harding in fast jedem Detail überlegen: Mit einem Simon Keenlyside auf der Höhe seiner Kraft, einem John Tomlinson als Bösewicht John Claggart, gegen den der ähnlich löwenstimmige Gidon Saks doch reichlich undifferenziert wirkt und einem Philip Langridge als Kapitän, gegen dessen tragische Größe der an sich sympathische Ian Bostridge doch etwas zusammenschrumpft. Vor allem aber konnte Hickox dem Orchester eine erzählerische Lebendigkeit entlocken, von der bei Harding wenig zu spüren ist. Sein Britten ist von einer klaren Härte, die die Partitur manchmal überraschend modern klingen lässt. Die Herzen aber lässt das kalt.

Jörg Königsdorf, 20.02.2009



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