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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Benjamin Britten

A Tribute To Benjamin Britten

Diverse Orchester und Dirigenten

Arthaus Musik
(999 Min.) 8 CDs, 16:9, 4:3

In besonderem Ausmaß haben die Opern Benjamin Brittens von der Einführung der DVD profitiert: Während von den Bühnenwerken Hans Werner Henzes überhaupt nur der "Prinz von Homburg" und der späte "L’Upupa" auf dem neuen Medium verfügbar sind, sind alle wichtigen Brittenopern in mindestens einer Inszenierung dokumentiert, im Falle des Henry James-Gruselstücks "The turn of the screw" listet der aktuelle Katalog sogar schon vier Alternativen auf. In diesem Zusammenhang ist die Box, in der Arthaus jetzt acht, größtenteils schon länger erhältliche Produktionen zum "Tribut an Benjamin Britten" gepackt hat, eher das, was die Briten als "Mixed Bag" bezeichnen: Zu den inzwischen etwas angestaubten Artikeln in der Kollektion gehört beispielsweise Michael Hampes etwas hausbackene Schwetzinger Version des "Turn": Luc Bondys Brüsseler Inszenierung findet suggestivere Bilder für die den Zwiespalt zwischen Halluzination und Bedrohung, in dem sich die junge Gouvernante und ihre beiden Schüler bewegen; Katie Mitchells Opernfilm hat gezeigt, dass sich die instrumentalen Zwischenspiele fantasievoller bebildern lassen als durch Instrumente in Großaufnahme. Auch die Krönungsoper "Gloriana" liegt mittlerweile in einer (wenngleich gekürzten) großartigen Filmversion vor, gegen die die arg strumpfhosen- und glasdiamantenlastige Produktion der English National Opera kaum eine Chance hat – auch weil Sarah Walker, Englands Komische Alte vom Dienst, die alternde Queen Elisabeth mit etwas zu viel burschikoser Zickigkeit angeht. Allerdings ist auch diese recht prominent besetzte Aufnahme (u. a. mit Anthony Rolfe Johnson) ein Beleg dafür, wie sorgfältig das Andenken des Lord of Aldeburgh in seiner Heimat gepflegt wird. Meist die Crème der englischen Sängerdarsteller am Start: Thomas Allen als Billy Budd, Philipp Langridge als Peter Grimes und Robert Tear als Aschenbach im "Death in Venice" führen durchweg stimmig besetzte Ensembles an, allein Janice Cairns als etwas schrille Ellen Orford im "Grimes" ist ein kleiner vokaler Wermutstropfen. Alle drei Inszenierungen beschreiten einen überzeugenden Mittelweg zwischen Realismus und Abstraktion: Tim Albery findet für "Grimes" und "Budd" düstere Bilder, die das Gleichnishafte der Handlung betonen, ohne sich zu weit von den Libretti zu entfernen. Auch Stephen Lawless erzählt in seiner Produktion für die Glyndebourne Touring Opera den "Death" mit minimalistischen, aber dennoch stimmungsvollen Bildern – ein paar knackige Jünglinge in geringelten Badeanzügen reichen, um die Lido-Atmosphäre heraufzubeschwören. Dass Brittens Opern auch bei knappstem Mitteleinsatz ihre dramatische Wirkung entfalten können, belegt eindrucksvoll, wie sehr sie vom Theater und für das Theater gedacht sind: Auch die ENO-Version des "Rape of Lucretia" ist nachgerade asketisch und rückt mit ihren schlichten Schiebewänden den Selbstmord, mit dem Lucrezia ihre Würde bewahrt, plausibel in die Nähe des japanischen Harakirirituals.Das Highlight der Box, der als Bonus noch Peter Weigls hübscher, in seiner surrealistischen Überdrehtheit sehr an tschechisches Kinderkino erinnernder Opernfilm "Let’s make an opera" beiliegt, ist jedoch der selten gezeigte "Owen Wingrave": Die Verfilmung dieses einst als Fernsehoper konzipierten Stücks würde vermutlich auch einen packenden Spielfilm abgeben, wenn kein Ton gesungen würde. Und Gerald Finley in der Titelrolle des pazifistischen Kadetten, der am Widerstand seiner Familie zugrunde geht, kann es, was die schiere schauspielerische Leistung angeht, mit jeder Hollywoodgröße aufnehmen.

Jörg Königsdorf, 08.02.2007



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