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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



Österreichische Opernfans dürften beim Anschauen dieser DVD wehmütig werden, erinnert sie doch an die Zeit, in der Amerikas Starbariton Thomas Hampson noch gern in ihrem Lande auftrat. Das hat sich nach der Verurteilung von Hampsons Lebensgefährtin aufgrund von Steuerdelikten inzwischen geändert, und der 2002 in der Staatsoper mitgeschnittene "Simone Boccanegra" dokumentiert, was für ein Verlust Hampson für die Opernnation ist: Sein Porträt des schicksalsgebeutelten Dogen ist das Ereignis dieser Produktion, die ursprünglich für die Salzburger Festspiele entstanden war. Vor allem gegen Ende findet Hampson immer schönere Töne und spendet in seiner Todesszene balsamischen Piano-Segen. Dahinter folgen auf den Plätzen Daniele Gatti, der ganz in Hampsons Sinne für einen warmherzigen, klangschönen Verdi plädiert, und die übrigen Beteiligten: Miroslav Dvorskýs glanzvoller Adorno, Cristina Gallardo-Domâs' schon etwas reife Amelia, und Ferruccio Furlanatto, der seinem grimmigen Fiesco erst gegen Ende etwas mildere Farben beimischt. Peter Steins Inszenierung, die auch noch in einem (insgesamt etwas schwächer besetzten) Mitschnitt vom Maggio Musicale Fiorentino erhältlich ist, sieht allerdings eher nach dem Revival einer Fünfzigerjahre-Produktion aus: plüschbehangene Sänger, die auf meist ziemlich dunkler Bühne die Fäuste ballen und die Augen rollen. Wer's mag …

Jörg Königsdorf, 18.09.2010



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